Interview mit Brett McBean (Melbourne / Australien)










Hallo Brett, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast ein paar Fragen von Elements of Crime zu beantworten.
Bitte erzähle uns etwas von der Person Brett McBean.
Ich bin in Melbourne, Australien, geboren und aufgewachsen. Ich habe Musik an der Universität studiert (ich hatte im Leistungskurs Schlagzeug / Percussion), aber als ich meinen Abschluss hatte, habe ich mit der Musik aufgehört, weil ich meine ganze Aufmerksamkeit dem Schreiben widmen wollte.
Ich schreibe jetzt seit rund zehn Jahren und habe zwei Romane veröffentlicht (zwei weitere sind in Arbeit), plus eine Reihe von Kurzgeschichten und einer Handvoll Novellen.
Wie ist die Zusammenarbeit mit dem deutschen Festa Verlag entstanden? Sind sie auf Dich zugekommen, oder hast du Dein Manuskript zu ihnen geschickt, in der Hoffnung, dass es ihnen gefällt?
Eines Tages erhielt ich eine E-Mail von Frank Festa und er fragte mich, ob ich ihm „Die Mutter„ schicken könnte, weil er dachte, es könnte interessant sein. Also tat ich es und kurze Zeit später schickte er mir eine wunderbare E-Mail, in der er schrieb wie sehr er das Buch genossen hat und dass er es gerne veröffentlichen würde.
Ist es nicht sehr schwer auf so einem großen Markt zu bestehen, und mit einer guten Idee die Leser zu überzeugen und zu fesseln?
Es ist schwer. Es gibt so viele andere Bücher, die um die Aufmerksamkeit der Leser wetteifern. Da ist es schwierig aus der Menge herauszustechen.
Einen Großteil der Zeit muss sich ein Schriftsteller auf gute Mundpropaganda verlassen, es sei denn, er hat einen guten Agenten oder einen großen Verlag, der eine Menge Geld in die Förderung steckt, weil das Buch sonst schnell in der Menge verschwindet.
Also ist alles was ein Schriftsteller tun kann, sein Bestes zu geben und hoffen, dass er ein Publikum findet.
Ist es schwerer für einen Horror Autor seine Bücher veröffentlichen zu lassen?
Es hängt davon ab, ob wir von einem großen oder einem kleinen Verlag reden. Wenn das Buch gut ist, sollte es für einen Schriftsteller möglich sein, einen kleinen Verlag zu finden, denn Horror ist bei den kleinen Verlagen noch immer sehr beliebt. Aber wenn wir über einen größeren Verlag reden, dann ist es abhängig davon, wie "heiß" dieser Horror ist. In den 80er Jahren, als das Horror-Genre boomte, war der Verkauf einfacher. Da war es leichter einen Verlag zu finden, der bereit war, einen Horror-Roman anzunehmen. Das ist jetzt aber nicht mehr so (es sei denn, in deinem Horror-Roman geht es um Teenager Vampire oder Zombies, dann ist es wahrscheinlich einfacher). Heutzutage ist es am besten, seinen Roman nicht als "Horror " zu bezeichnen. Selbst wenn es Horror ist, es ist besser ihn "Dark Fantasy" oder "paranormale Fiktion" zu nennen, aber nicht „Horror“. Das Horror Genre ist nicht mehr so populär wie er es mal war, leider.
Erzähle uns bitte etwas von “ Die Mutter “.
Die Mutter ist ein Horror / Thriller Roman über eine Frau, die per Anhalter auf einem großen australischen Highway unterwegs- auf der Suche nach dem Mann ist, der ihre jugendliche Tochter ermordet hat. Die Geschichte besteht aus vielen Vignetten, alle erzählt aus der Sicht der verschiedenen Personen, die die Mutter als Anhalterin mitnehmen. Es ist ein dunkler und beunruhigender Roman über Verlust, Rache und Identität.
Wer ist Dein Lieblingsschriftsteller und warum?
Mein Lieblingsautor ist der „späte“ Richard Laymon. Als ich anfing seine Bücher in den frühen 90er Jahren zu lesen, ich war ungefähr dreizehn Jahre alt, war es wie ein Tritt in die Eingeweide und eine wilde Welle der Aufregung und das alles zur gleichen Zeit.
Noch nie hatte ich solch eine Achterbahnfahrt aus Spannung und Spaß in einem Buch erlebt.
Ich war so begeistert, dass ich los zog und so viele Bücher von Laymon kaufte, wie ich finden konnte. Ich liebe seinen Sinn für Spaß und Nervenkitzel und seine Bücher sind wie die besten Lagerfeuer Geschichten die jemals geschrieben wurden.
Du bist Australier, wurdest Du bei Deiner Arbeit mehr von australischen, amerikanischen oder englischen Schriftstellern beeinflusst?
Ich bin sehr von amerikanischen Schriftstellern beeinflußt worden,
vom amerikanischen Horror im Allgemeinen. Ich wuchs
mit dem Lesen von amerikanischen Horror-Romanen auf (mit Autoren wie King, Laymon und Ketchum) und
schaute fast alle amerikanischen Filme (einige meiner Favoriten waren Freitag der 13., The Texas Chainsaw Massacre und die Romeros „Dead“- Trilogie). Erst als ich älter wurde rückten mir die australischen Horrorautoren ins Bewustsein, aber meine prägenden Jahre waren sozusagen die der „USA“.
Was planst du für die Zukunft? Was können die deutschen Leser von Dir erwarten, arbeitest Du an einem neuen Roman?
Auf die deutschen Leser warten
mindestens zwei weitere Romane, die in den nächsten Jahren veröffentlicht werden. Einer ist mein erster Roman „The Last Motel“, der eine grausame Huldigung an die B-Horror Filme der 70er und 80er Jahre ist,(ebenso an die Romane von Richard Laymon).
Der zweite ist mein neuester Roman, er heißt „Torment“. Darüber hinaus hoffe ich, dass noch viel mehr Bücher in Deutschland veröffentlicht werden, denn die Resonanz für „Die Mutter“ war bisher wunderbar. Die
deutschen Leser sind sehr leidenschaftlich und unterstützten diesen Roman, sowie auch meine Arbeit im Allgemeinen.
