Interview mit Graham Masterton (Edinburgh / Schottland)










Hallo Graham Masterton, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben ein paar Fragen von Elements of Crime zu beantworten.
Sie haben als Redakteur beim Magazin Penthouse gearbeitet und sehr erfolgreiche Sex Ratgeber geschrieben. Was hat Sie dazu bewogen nach der Zeit bei Penthouse, in erster Linie Horror-Romane zu schreiben?
Ich begann Sex-Bücher als eine Erweiterung einer regelmäßigen Sexberatung, als Kolumne für „Mayfair“ zu schreiben, einem britischen Männermagazin, für das ich arbeitete, bevor ich zu Penthouse ging.
Als ich dann bei Penthouse war, wurde ich von einem New Yorker Verlag gebeten, mehr Sex-Bücher für sie zu schreiben, einschließlich, „wie es eine Frau liebt geliebt zu werden“, die ich dann unter dem Pseudonym "Angel Smith" schrieb!
Man beauftragte mich noch mehr Sex-Bücher zu schreiben, aber dann haben meine Verleger beschlossen, dass der Markt für Bücher über Sex nun zu überlaufen sei. Als Ersatz für meine nächsten Sex-Bücher schickte ich ihnen „MANITOU“, welches ich aus reinem Spaß geschrieben hatte. Ich schrieb es in nur fünf Tagen, und es basierte auf der Schwangerschaft meiner Frau Wiescka mit unserem ersten Sohn, und auf einer Geschichte über die Magie amerikanischer Ureinwohner, die ich im Buffalo Bill Jahrbuch von 1956 gelesen hatte, als ich noch ein Junge war.
Sie haben insgesamt mehr als 100 Romane geschrieben, woher nehmen Sie die ganzen Ideen?
Dazu erzähle ich immer diese Geschichte. Mein Vater war mit der britischen Armee in Deutschland stationiert und ich verbrachte meine gesamten Schulferien in Lippstadt, Münster und Bielefeld. Eines Tages stieß ich in Bielefeld auf ein Antiquitätengeschäft und in diesem Antiquitätenladen fand ich eine seltsame alte Blechdose aus Emaille mit einem Schloß.
Ich fragte den Besitzer des Ladens wieviel sie kostet. Er sagte, 10 DM. Ich hatte nur 8 DM, aber er gab sie mir trotzdem. Als ich sie dann mit nach Hause nahm und das Schloss öffnete, stellte ich fest, dass die Kiste voller Ideen für übernatürliche Geschichten war. Nun, jedes Mal wenn ich eine Idee für einen neuen Roman brauche, öffne ich die Schachtel und nehme immer eine andere heraus. Eigentlich ist das nicht wahr ... Ich war ausgebildeter Zeitungsreporter, und so machte ich mir bei jeder interessanten Nachricht oder einem Interview mit einem interessanten Charakter Notizen, um zu sehen, ob ich sie mit einem Mythos, oder der Legende einer bedrohlichen Kreatur aus der Vergangenheit, in Verbindung bringen konnte. Die meisten meiner Bücher handeln über gewöhnliche Menschen, die gegen das uralte Böse kämpfen und so entstehen meine Geschichten.
"Die Opferung" (im Original / Prey) und Der "Ausgestossene" (im Original / The Pariah) sind zwei meiner absoluten Lieblingsromane, sie sind so dunkel und aufreibend, auch ohne viel Blut nervenzerreißend. Was ist ihr Erfolgsrezept, um die Leser so sehr zu fesseln?
Ich denke, Sie müssen lediglich Ihren Lesern glaubhaft machen, dass die Ereignisse, über die sie lesen in Wirklichkeit passiert sind. Das Erstellen von glaubwürdigen Charakteren ist schwer, ebenso das Erschaffen einer realistischen Umgebung.
Ich versuche so zu schreiben, dass es mehr wie ein Film wirkt, als eine geschriebene Geschichte, denn somit erhalten die Leser das Gefühl, mitten in der Story neben den Charakteren zu sein.
In „Der Ausgestossene“ erwähnen Sie, oder vielmehr die Figur John, „H. P. Lovecraft“. Warum, ist er ein Vorbild für Ihre Geschichten und sind Sie ein Fan von ihm?
Früher, als ich jung war, mochte ich H.P Lovecraft, vor allem die kursiven Texte am Ende der meisten seiner Geschichten.
Was ich besonders an ihm mochte war, dass er seine eigene Mythologie erfunden hatte, die nicht mit den ganzen alten europäischen Teufeln und Dämonen verbunden war.
Das Grundgerüst von „Der Ausgestossene“ beruht auf einer wahren Begebenheit, die Hexenprozesse in Salem von 1692, die auch in den Geschichtsbüchern dokumentiert sind. Wie kam es zu der Idee, die Story auf dieses Ereignis aufzubauen?
Ich hatte Salem und Marblehead (im Roman heißt es Granitehead)
besucht und ich dachte, dass der Ort eine sehr gute Atmosphäre ausstrahlte.
Ich hatte auch über die Anhebung der Galeone des Heinrich VIII, der Mary Rose, gelesen und dachte, dass es sehr unterhaltsam und erschreckend zugleich wäre, zu denken, dass dort noch etwas sein könnte, etwas das im Frachtraum eines alten versunkenen Schiffes lauert.
„Die Opferung“ spielt auf der Ilse of Wight und der Hauptschauplatzt ist das Anwesen um eine alte Villa ( das Fortyfoot-Haus ), welches wie ein Tor in eine andere Zeit benutzt wird. Erzählen Sie uns bitte etwas zu der Entstehung dieses Romans.
Meine Familie und ich verbrachten ein paar Tage auf der Isle of Wight, in dem Haus, das einst Charles Dickens gehörte und welches das Modell für das „Fortyfoot House“ war. Das Haus machte knarrende Geräusche in der Nacht und mir fiel auf, dass es ein wunderbarer Schauplatz für eine Geschichte im Lovecraft-Stiel wäre. Ich hatte schon seit langem vor, die „Ratten-Kreatur Brown Jenkin“ wieder zum Leben zu erwecken und das war die ideale Gelegenheit.
Die meisten Ihrer Romane sind eigenständige, obwohl Sie drei Serien (Der Manitou, Night Warriors und Rook) geschrieben haben. Ist es interessanter, eigenständige Romane zu schreiben, weil Sie dann kreativer sein können?
Selbst die Bücher, die ich als Serie schreibe, können unabhängig voneinander gelesen werden, auch wenn man ein anderes nicht gelesen hat.
Wie ich schon erklärt habe, kommen die meisten Ideen rein zufällig. Ich sehe eine faszinierende Geschichte in einer Zeitung, und das nächste was ich weiß ist, dass es sich in eine gute Basis für einen Roman verwandelt hat.
Obwohl mir ein Stand-alone-Roman den Spielraum gibt, über etwas völlig Neues zu schreiben und auch auf verschiedene Art und Weise, mag ich es, über die Charaktere, die in einigen meiner Serien vorkamen zu schreiben. Wie Harry Erskine in der Manitou-Serie, the Night Warriors und Jim Rook, der College-Lehrer mit der Fähigkeit, Geister und Dämonen zu sehen.
An welchen Projekten arbeiten Sie im Moment, könnten Sie unseren Lesern etwas darüber erzählen?
Ich habe ein neuen Night Warriors Roman, „THE 9TH NIGHTMARE“, fertig, der im Januar 2011 von Severn House Publishers veröffentlicht wird. Mein Vampir-Roman „DESCENDANT“ wird als E-Book von Leisure Books ab nächsten Monat zur Verfügung gestellt und als Print-on-Demand Taschenbuch nächsten Sommer.
Gerade habe ich „PETRIFIED“ beendet, wo etwas in Wasserspeiern zum Leben erweckt wird um dann Menschen anzugreifen. Leider ist der Bösewicht ein Deutscher - sehr klug, aber sehr rücksichtslos. Sein Name ist Theodor Zauber.
Auch einen neuen Thriller über meinen irischen, weiblichen Detektiv, Katie Maguire, habe ich begonnen zu schreiben.
Gibt es Schriftsteller, vielleicht auch aus anderen Genres, deren Arbeit Sie sehr mögen?
In den späten 1960er Jahren war ich mit William Burroughs befreundet, der unter anderem „The Naked Lunch“ und „Nova Express“ und andere Bücher schrieb. Er war sehr experimentell und in seinen Werken entwickelte er etwas, das er als "überschneidendes Schreiben" bezeichnete, die Vermischung von Wörtern und Sätzen wie ein literarisches Kaleidoskop, so dass neue und unterschiedliche Bedeutungen entstanden. Ich schrieb einen Roman mit William's Ermutigung „RULES OF DUEL“, den ich kürzlich wiederentdeckt habe (nach mehr als 40 Jahren!) und der gerade von einem kleinen Verlag, genannt Telos Bücher, veröffentlicht wurde. Ich mag die frühen Bücher von Len Deighton und Nelson Algren und die Arbeit von meinem holländischen Freund Jan Cremer, der eigentlich Künstler ist, aber dafür erstaunlich gut schreibt. Als ich als Junge in Deutschland war, entdeckte ich den Dichter Theodor Storm und er ist noch immer einer meiner Lieblingsdichter.
Gibt es etwas was Sie Ihren deutschen Fans noch sagen möchten?
Ich hatte in meinem Herzen schon immer einen Platz für Deutschland , insbesondere für Münster. Ich erinnere mich noch an die meisten „meiner“ Deutschen, und ich kann mich noch an den Geschmack von frischem Apfelstrudel, mit einem Haufen Sahne darauf, erinnern ... er schmeckte immer am bessten, wenn man ihn zu Fuß entlang der Straße aß! Ich bedauere nur, dass nicht mehr von meinen Büchern ins Deutsche übersetzt wurden, aber ich arbeite daran!
