Interview mit Peter James (Sussex / England)


















Hallo Peter, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast ein paar Fragen von Elements of Crime zu beantworten.
Du bist Schauspieler, Drehbuchautor, Filmproduzent und Schriftsteller. Wie bekommst Du alles hin, wie machst Du alles zeitlich? Du schreibst ja auch jedes Jahr mindestens ein neues Buch!
Ich bin nicht wirklich Schauspieler, ich habe nur ein paar kleine Rollen zum Spaß gehabt!
Aber im Ernst, wegen meinem Engagement einen Roman pro Jahr zu schreiben, habe ich nun meine Filme
und das Drehbuch-Schreiben gestoppt, um mich voll auf meine Roy Grace Romane zu konzentrieren.
Ich mag das Schreiben von Romanen am liebsten, weil das Filmemachen immer ein Prozess mit bis zu 20 verschiedenen widerstreitenden Egos ist. Wenn ich einen
Roman schreibe, dann bin nur ich es allein!
Wie bist Du zum Schreiben von Thriller und Horror Romanen gekommen, war Dir alles Andere zu langweilig, oder wolltest Du einfach mal etwas Neues ausprobieren?
Im Alter von 11 Jahren wollte ich anfangen Krimis schreiben, nachdem ich meine erste Sherlock-Holmes-Geschichte gelesen hatte.
Ich war hin und weg von der Auffassungsgabe
dieses erstaunlichen Detektivs und beschloss, dass ich es eines Tages versuchen würde, einen Detektiv, der so klug ist wie Holmes, zu erschaffen.
Ich bin
fasziniert von der menschlichen Natur, warum wir die Dinge tun, die wir tun und ich denke, dass der beste Weg die Welt zu beobachten, durch die Augen
der Polizisten ist.
Während einer Karriere bei der Polizei wird der durchschnittliche Polizist mit fast jeder Facette der menschlichen Existenz - von Gewalt zur Tragödie und
Komödie konfrontiert.
Vom Reichtum bis hin zur Armut. Von guten Menschen bis hin zu ganz bösen Menschen.
Wie bist Du auf die Idee zu “ Stirb ewig “ gekommen?
Wir haben in Großbritannien eine brutale Tradition beim Junggesellenabschied.
Beispielsweise bei meinem Eigenen, der schon einige Jahre zurückliegt. Ich wurde auf der Kneipentour von 30 meiner Freunde mit
Bier, versetzt mit Wodka, Gin und Whisky betrunken gemacht.
Gegen ein Uhr morgens zogen sie mich nackt aus, mit Ausnahme meiner roten Socken und legten mich
mitten in Brighton auf einen Briefkasten. Dann riefen sie die Polizei und sagten, dass da ein nackter
Perverser im Zentrum der Stadt auf einem Briefkasten liegt. Ich wurde verhaftet!
Ich weiß nicht, ob jemals ein Bräutigam tatsächlich lebendig begraben wurde - ich habe es mir ausgedacht,
aber für mich ist es etwas, das leicht passieren könnte.
Als ich für das Buch recherchierte, habe ich mich 30 Minuten in einen Sarg gelegt.
Der Deckel wurde verschraubt und ich wurde allein gelassen. Es war die schlimmste Erfahrung meines Lebens, denn
ich habe extreme Platzangst!
Du hattest im Jahr 2005 mit “ Stirb ewig “ einen Riesenerfolg in Deutschland. War das der Grund, dass danach auch ein erstes Buch in Deutschland veröffentlicht wurde, welches Du früher geschrieben hast?
Ja, ich glaube eine Reihe meiner früheren Bücher werden jetzt in Deutschland veröffentlicht. Mit Roy Grace schrieb ich meine erste
Serie, jedes meiner früheren Bücher war ein "stand-alone" Roman.
Werden noch weitere Werke aus früherer Zeit in Deutschland veröffentlicht?
Ja, ich denke in den nächsten Jahren werden alle meine frühen Bücher, mit Ausnahme der ersten drei, zwei wirklich schlechte Spionagethriller und ein ebenso schlechter Finanzthriller, zu haben sein! Deutschland ist ein fabelhafter
Markt für mich und ich liebe es in Deutschland zu sein. Ich kann schnell auf den Autobahnen fahren und ich liebe das Bier.
Vor allem aber liebe ich, dass so viele Menschen in Deinem Land meine Bücher lesen und sie genießen.
Für Deinen ersten Roman hast Du den Krimi-Blitz 2005 erhalten, außerdem erhielt er in Frankreich den begehrten Prix Polar International 2006 und den renommierten Prix Coeur Noir 2007. Wie hat sich Dein Schreiben dadurch verändert?
Ich gewann diese tollen Preise mit dem ersten Roy Grace Roman. Ich habe vor Roy Grace schon 12 Romane geschrieben
und ich denke, dass sich mein Schreiben verändert hat.
Wahrscheinlich ist die wichtigste Sache, dass ich Roy Grace sehr mag
und ich mich stärker mit ihm verbunden fühle, als mit allen früheren Charakteren. Und Ich mag ihn wirklich, er ist
wie mein bester unsichtbarer Freund!
Ich glaube, dass das Wichtigste die Charaktere in einem Roman sind.
Alle Menschen die Romane lesen, wollen herausfinden, was mit den Figuren passiert, die sie kennen gelernt haben und mögen.
Dein neues Buch aus der Roy-Grace-Serie “ Dead Tomorrow “ ist letztes Jahr in England erschienen. In Deutschland wird es “ Und Morgen bist Du tot “
heißen. Wann kommt es hier auf den Markt?
Es wird dieses Jahr im September veröffentlicht.
In welchem Land hast Du den größten Erfolg mit Deinem Büchern?
Außerhalb von Großbritannien habe ich in Deutschland den größten Erfolg - was mich sehr glücklich macht! Nach Deutschland kommen Frankreich, Russland,
USA und Holland. Meine Bücher werden in insgesamt 33 Sprachen übersetzt und es ist der größte Nervenkitzel,
diese ausländischen Fassungen zu sehen, obwohl ich sie nicht verstehen kann!
Welchen Tipp hast Du für jemanden, der vorhat ein Buch zu schreiben?
Mein wichtigster Rat an alle neuen Autoren ist, dass sie Bücher lesen, die sie selbst gerne schreiben würden.
Wenn es ein Kriminalroman ist, dann sollten Sie keine Angst davor haben ihren Lieblings-Krimi buchstäblich auseinander zu nehmen und
ihn so zu rekonstruieren, als ob man einen Motor auseinandernimmt. Sie müssen versuchen zu verstehen, was der Autor getan hat,
dass sie dieses Buch so sehr mögen.
Wie hat der Autor die Charaktere so überzeugend gemacht, wie war der Plot aufgebaut...
Und zweitens,
wenn Sie angefangen haben zu schreiben, ist es sehr wichtig Kontinuität zu erlangen. Sie sollten sechs Tage in der Woche etwas schreiben,
jeden Tag so wenig, dass sie die Geschichte in ihrem Kopf am Leben halten.
