Interview mit Steve Mosby (Leeds / England)

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Hallo Steve, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast ein paar Fragen von Elements of Crime zu beantworten.

Weshalb hast Du Dir das Thema Verbrechen zum Schreiben ausgesucht?

Um ehrlich zu sein war es nicht beabsichtigt! Ich begann die Art von Geschichten zu schreiben, die ich auch gern gelesen habe und das war vor allem Horror, mit ein wenig Fantasy und Science-Fiction. Ich mochte schon immer Schriftsteller, die bereit sind, Genregrenzen zu überschreiten und zu mischen.
Das erste Buch, das ich veröffentlichen ließ, war " The Third Person " und es ist ein sehr seltsames Buch. Es enthält Elemente des Verbrechens, aber auch Horror und eine futuristische Umgebung, und die ganze Geschichte ist sehr surreal. Meine Verlag in England - Orion - mochte es, aber es gab einige Diskussionen innerhalb des Unternehmens darüber, als was sie es veröffentlichen wollten.
Am Ende wurde es im Thriller Genre veröffentlicht, weil es dort am besten hinein passte. Zum Anfang einer Karriere ist es wichtig (zumindest weitgehend) bei einem Genre zu bleiben. Mein zweites Buch " The Cutting Crew " war ebenso seltsam, wurde aber auch als Thriller veröffentlicht. Ich vermute, dass es eine weitere Frage gibt: Warum schreibe ich diese dunklen schrecklichen Sachen? Ich weiß es nicht! Im wirklichen Leben bin ich sehr entspannt, glücklich und locker. Aber ich bin immer von dunklen Themen angezogen worden, und außerdem kann man sich in der Thriller-Literatur mit so vielen Emotionen und wichtigen Themen wie Liebe, Verlust, Rache, Erlösung, Gut und Böse, etc. befassen.

Hast Du ein bestimmtes Ritual bevor, oder wenn Du mit dem Schreiben beginnst?

Nicht wirklich. Das Schwierigste ist für mich das Loslegen und am Computer zu arbeiten, Tag für Tag. Aber ich bin in meinem Schreibprozess sehr entspannt. Ich versuche diszipliniert genug sein, um eine jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern schreiben, aber es ist oft genauso wichtig (für mich) Ideen in meinem Hinterkopf wachsen zu lassen. An manchen Tagen bin ich glücklich, wenn ich nur eine anständige Idee habe und an anderen Tagen möchte ich wieder ein ganzes Kapitel schreiben. Das Einzige, was ich sicher tue ist, es ein wenig entspannt anzugehen. Damit meine ich, mir nicht allzu viele Sorgen zu machen. Wenn ich ein Projekt starte, plane ich so viel wie möglich, aber ich akzeptiere es , wenn es zuerst Müll wird und ärgere mich deswegen nicht! Es benötigt viel Energie um ein Buch zu schreiben, und es nimmt einiges an Druck weg, wenn man sich nicht immer darum kümmert, "wie gut dieser Satz ist" oder ob ein Plot-Element funktioniert oder nicht. Mein erster Entwurf ist immer wie ein Film ohne Drehbuch!

Dein Durchbruch kam 2007 mit dem 50/50 Killer. Was hast Du gefühlt?

Es fühlte sich fantastisch an und es war ein sehr guter Zeitpunkt für mich. Ich arbeitete an der Leeds University und wurde entlassen (das Projekt, an dem ich arbeitete wurde nicht mehr finanziert). Ich hatte genug Geld für einen Monat und ich dachte mir: "Nun schreibe ich für einen Monat und sehe, was ich tun kann". Mitte des Monats begann dann der Verkauf vom 50/50 Killer in verschiedenen Ländern - genug für mich um seitdem „ Full-Time „ zu schreiben, was überwältigend ist.
Es ist ein merkwürdiges Gefühl, weil meine Bücher in Großbritannien überhaupt nicht erfolgreich sind. Ich bin in Übersee erfolgreich, aber ich habe nicht wirklich den "Durchbruch" in meinem eigenen Land geschafft.

Der 50/50 Killer erschien 2009 in Deutschland und ist sehr erfolgreich. Möchtest Du etwas Deinen vielen deutschen Fans sagen?

Ich sage das Gleiche, was ich allen meinen Fans sage – vielen vielen Dank! Es ist immer schön zu wissen, dass Menschen dein Buch gelesen haben und es mochten, besonders wenn diese Personen so freundlich sind und es dir per E-Mail schreiben. Ich bin Droemer extrem dankbar, dass sie eine Vorliebe für diese Bücher haben, und natürlich allen die sie gekauft haben. Wir hoffen mit künftigen Büchern all das fortsetzen zu können.

Was für Recherchen hast Du für den 50/50 Killer gebraucht?

Kaum welche. Ich bin sehr faul was die Recherchen angeht und ich denke, das ist ein Grund, warum ich anfing Science-Fiction und Horror zu schreiben. Man hat mehr Freiheiten um die Geschichte zu füllen, und das ist für mich die Hälfte der Lust am Schreiben. Du erfindest Personen, Orte und Handlungen, also warum nicht noch weiter gehen? Ich sprach mit einem Freund von mir, einem Arzt, aber nur über die Grundlagen und sicherlich nicht mit der Polizei, oder sonst dergleichen. Alle Verfahren der Polizei in dem Buch sind komplett erfunden. Und überhaupt glaube ich, dass es viel wichtiger ist glaubwürdig zu sein als präzise. Solange Du keine schrecklichen Fehler machst – die wirklich offensichtlich sind – sind auch die Leser bereit die Geschichte zu Deinen eigenen Bedingungen zu akzeptieren. Eine Ausnahme könnte es im Bezug auf den Standort geben. Ich hatte ein paar Rezensenten, die fragten, ob die Wälder im 50/50 Killer wirklich in England existieren könnten. Das ist auch wieder etwas woran ich nicht denke. Für mich ist die Geschichte ein Drehort im "Story-Land", und nicht speziell im England (oder anderswo). Es ist eine Fiktion, aber es ist wichtig, dass der Leser nicht aus der Geschichte geworfen wird, und so neige ich dazu, in Fragen der Lage mehr als an andere Aspekte zu denken.

Im Februar erschien " Toten Stimmen " ( Cry for help ) und im September erscheint " Spur ins Dunkel " ( The Third Person ) in Deutschland. Es sind auch einzelne Romane, planst Du auch eine Fortsetzung eines Deiner Bücher. Vielleicht eine Triologie?

Im Moment nicht. Als ich " Still Bleeding " schrieb (mein fünftes englisches Buch), hatte ich Mercer von 50/50 als Charakter aufgenommen. Aber es funktionierte nicht für diese Geschichte und ich denke, das ist mein Problem. Ich habe nichts gegen die Idee eine Serie zu schreiben und in gewisser Weise möchte ich es auch. Aber ich neige dazu mir erst die Geschichte auszudenken, und dann die Charaktere zu erstellen, die in der Geschichte spielen. Also, im 50/50 wollte ich über die Liebe in Beziehungen und Entscheidungen im Zusammenhang mit einem Thriller schreiben, und ich baute die Chararktere, den Ort und die Handlung um die Story herum auf. Da die Charaktere besonders für diese Geschichte geeignet waren, wurden sie nicht in eine andere Story übertragen. (Und natürlich, am Ende sind viele von ihnen tot oder tief traumatisiert). Deshalb würde ich niemals nie sagen, aber es würde davon abhängen den richtigen Charakter zu finden.

Warum erscheint " Spur ins Dunkel " ( The Third Person ) so spät in Deutschland, Du hast es doch 2003 geschrieben?

Nun, das geht auf Deine erste Frage zurück. " The Third Person " ist eine ganz andere Art von Buch. 50/50 war der Thriller, der auf mich aufmerksam machte und ich hoffe, dass die Thriller-Fans, die „ The Third Person „ kaufen, bereit für ein etwas anders sind! Die Bücher, die ich in der Zukunft schreibe, werden mehr den Fans von 50/50 angepasst, während „ The Third Person „ ein wenig schräg ist und verschiedene Menschen ansprechen wird. Hoffentlich werden die Leute es mögen. Ich mag es noch immer, auch nach all dieser Zeit und man kann sagen, es ist meine Stimme , aber es ist ein weit weniger kommerzieller Roman. Ich bin gespannt wie die Menschen darauf reagieren.

Ist es nicht sehr schwer auf so einem großen Markt zu bestehen, und mit einer guten Idee die Leser zu überzeugen und zu fesseln?

Ich denke, das ist etwas was man im Auge behalten muss. Für mich ist es eine Art von Ausgleichsenergie, was ich persönlich über - die Geschichte schreiben will, die ich erzählen will - mit der Notwendigkeit etwas zu erzeugen, das den breiten Anklang findet, so dass so viele Menschen wie möglich sie lesen wollen.
Die erste ist die künstlerische, kreative Seite davon. Die zweite ist die kommerzielle! Die Erste ist die wichtigere für mich (und ich glaube auch für die überwiegende Mehrheit der Autoren), aber die Zweite ist wichtig, wenn Du Karriere machen willst. Meine Lösung ist einfach zu schreiben was mich interessiert und es so glaubwürdig wie möglich zu gestalten. Es muss eine gute Geschichte sein und sie muss zugänglich sein. In diesem Sinne versuche ich zusätzliche Elemente " unter die Oberfläche " hinzuzufügen, so dass neben der Funktion als Thriller auch noch andere Dinge vorhanden sind.

In welchem Land hast Du den größten Erfolg mit Deinem Büchern?

Das ist schwer zu sagen - ich weiß es wirklich nicht. Es scheint undankbar, nicht sicher zu sein, aber die Wahrheit ist, dass es schwierig ist den Überblick zu behalten. Wegen der Art der verschiedenen Angebote und wie sie strukturiert sind, kenne ich nicht immer die genauen Zahlen aus anderen Ländern. Also ich weiß, dass ich in Deutschland, in den Niederlanden, in Frankreich und in Italien großen Erfolg habe, aber ich kann nicht sagen, wo am meisten. In gewisser Weise würde ich es auch nicht wissen wollen. Menschen sind Menschen, und es ist mir egal wo meine Leser herkommen. Ich weiß, dass ich durch mein Schreiben viele wunderbare neue Menschen in anderen Ländern kennengelernt habe, und das ist das Schönste was es gibt. :-)

 
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