Interview mit Tom Wood (London / England)

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Hallo Tom, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast ein paar Fragen von Elements of Crime zu beantworten.

Lass uns bitte hiermit beginnen, wer ist der Mensch Tom Wood?

Tom Wood existiert in Wirklichkeit gar nicht, dafür aber Tom Hinshelwood. Aus aus einer Reihe von Gründen wurde jedoch der „Hinshel“ Teil meines Nachnamens chirurgisch entfernt, um so bei Verlagen in verschiedenen Ländern aufgenommen zu werden. In der Tat war es mein deutscher Verleger, der diesen Trend angefangen hat! Allerdings wurde im letzten Jahr ein Hardcover von mir in den USA mit „Hinshelwood“ veröffentlicht, danach wurde aber auch in den USA der Name auf „Wood“ geändert, wie überall anders auch, mit Ausnahme von Polen. Jetzt bist Du verwirrt oder? Ich bin es auch, aber lassen wir das :-)
Ich bin ein 32 Jahre alter englischer Schriftsteller, bin in einem Teil Englands zur Welt gekommen, den wir Midlands nennen (weil es in der Mitte von England ist), und lebe jetzt in London. Mein erster Roman, „Codename Tesseract“, erschien im März in Deutschland, und bevor ich mit dem Schreiben begann, war ich hauptberuflich als Video-Editor tätig, habe aber auch noch in vielen anderen Berufen gearbeitet. Ganz nebenbei erwähnt bin ich auch noch ein großer Box-Fan.

Früher Du hast Kurzgeschichten geschrieben, verschiedene Stile und verschiedene Genres. Wie entstand der Auftragskiller „Victor“?

Vor rund 10 Jahren entstand die Figur Victor. Ich bin auch jemand, der in der Regel die Schurken des Films und der Literatur viel interessanter findet als die Helden, und so wollte ich eine Story schreiben, in der die Hauptfigur mehr der Bösewicht als ein guter Kerl war. Antihelden gab es schon immer in der Fiktion, meistens sind es gute Jungs, die, wenn sie denn mal etwas Böses tun, es für eine gute Sache machen. Ich wollte aber nicht dass Victor so ist, er sollte genau anders herum sein, er sollte ein böser-, und nur manchmal ein guter Kerl sein. Ich wollte dass die Leser über sein Handeln, sein agieren empört sind, obwohl sie ja mit ihm verbunden sind.

Ursprünglich hatte ich Victor als einen Charakter für eine Eröffnungsszene bei einer Hotel-Schießerei entwickelt und es war einige Jahre später, als ich den Versuch startete, eine Geschichte um ihn herum aufzubauen. Ich bin immer davon ausgegangen, dass diese Schießerei den Höhepunkt eines Buches bilden wird, aber dann beschloss ich, „Codename Tesseract“ mit dieser Szene starten zu lassen, anstatt den Roman damit zu beenden. Ich wollte den Roman mit einem Knall starten, und versuchte einen „Filmischen-Roman“ zu schreiben, der durchweg schnell und aufregend ist. Ich habe die vollständige Handlung auch nicht im voraus geplant, wußte aber von Anfang an, was am Ende passiert. Ich hatte zuerst auch keine Ahnung, wie ich von der ersten- bis zur letzten Szene gelangen sollte, aber da „Codename Tesseract“ in erster Linie ein Roman ist, in dem es um eine Verfolgungsjagd geht, schrieb sich die Handlung dann fast von selbst.

„Nach dem Kampf am Anfang der Story will Victor wissen, wer ihm die Männer hinterhergeschickt hat, und versucht seine Feinde ausfindig zu machen, während sie gleichzeitig versuchen ihn zu finden.“

Aus mehreren Gründen dauerte es noch eine längere Zeit bis es veröffentlicht wurde, und so vergingen einige Jahre, bis ich zum ersten Mal einen ursprünglichen Entwurf auch wirklich beendete. Ich glaube zu dem Zeitpunkt war ich 26 oder 27 Jahre alt.
Die erste Version war damals noch viel kürzer und auch die Handlung war abgespeckter als die, die dann endgültig veröffentlicht wurde. Aber jedesmal wenn ich an dem Buch arbeitete, fügte ich Stück für Stück hinzu.

Als Du mit „Codename Tesseract“ ("The Killer") angefangen hast , war das Schreiben noch Dein Hobby, stimmt das wirklich?

Ich habe das Schreiben als Kind geliebt, aber als ich dann ein Teenager wurde und mich die Computerspiele, die Mädchen und der Alkohol ablenkten, schrieb ich nicht mehr so viel. Dann als Student begann ich immer mehr zu schreiben und habe seitdem nicht mehr aufgehört. Bevor ich angefangen habe dieses Buch zu schreiben, hatte ich schon einiges zu Papier gebracht wofür ich Geld bekam – aber nicht sehr viel. Also könnte man sagen, dass es damals noch mein Hobby war.
Als ich jedoch mit „Codename Tesseract“ anfing, war es von Anfang meine Absicht diesen Roman zu veröffentlichen. Ich hatte auch schon vorher versucht ein Roman zu schreiben, scheiterte aber am Willen oder hatte nicht den nötigen Durchblick, und so holte mich erst mal für eine Weile die Ernüchterung ein. Aber eines Tages, ich war Mitte 20, beschloss ich erneut ein Roman zu schreiben und diesen auch zu beenden, und zum Glück tat ich es.

Dein Debüt Roman schlug ein wie eine Bombe, er war und ist noch immer sehr erfolgreich. Aber was mich interessiert, warum „ Tesseract „, hat es eine Bedeutung?

In dem Roman kennen diejenigen die Victor jagen, nicht seinen richtigen Namen. Niemand tut das, und so gaben sie ihm den Codenamen „Tesseract“. Als Victor davon erfuhr, hatte es für ihn keine Bedeutung, es ist einfach nur ein Codename.
Allerdings habe ich mich für „Tesseract“ als Codename aus zwei Gründen entschieden. Erstens wollte ich ein eindrucksvolles, unvergeßliches Wort, und Tesseract ist besonders auffällig und wurde vorher noch nie in einem solchen Zusammenhang benutzt, zumindest nach meinem Wissen.
Zweitens ist es der Name des klassischen Würfels auf vier Dimensionen, und da Victor außerhalb der traditionellen Grenzen eines dreidimensionalen „Heros“ wie wir ihn kennen existiert, dachte ich es sei passend.

War dir nach Beendigung von "Codename Tesseract" bewusst, dass es so spannend und explosiv wie jeder Hollywood-Blockbuster ist? Hast Du es gleich gespürt?

Ich habe es genossen das Buch zu schreiben und ich hoffte inständig, dass die Leser es gut finden würden, aber sicher war ich mir natürlich nicht. Aber nachdem ich schon einiges geschrieben hatte, fand ich immer mehr Vertrauen in meine Arbeit und in das Buch, und jedem dem ich es gegeben habe um ein Stück daraus zu lesen, fand es großartig.

Aber ich wußte auch sofort, dass ich einen Roman geschrieben habe, der mehr einem Film gleicht, als einem traditionellen Stück der Literatur. Mit einem Protagonisten, der ein absoluter Antiheld war, und das war schon recht unkonventionell. Manchmal lieben die Leser das Unkonventionelle und machmal hassen sie es. Natürlich war zu erwarten dass es nicht allen passt, dass es nicht alle mögen, aber ich bin glücklich darüber sagen zu können, dass es die große Mehrheit mag.

Dein zweiter Roman ist fertig und erscheint im März 2012. Was erwartet den Leser in „ Zero Option „? Kannst Du uns einen kleinen Ausblick geben?

Ich bin sehr aufgeregt wegen „Zero Option“. Ich hatte eine tolle Zeit beim Schreiben und ich denke, dass es nicht nur die gleiche Art von unerbittlichem Tempo und Spannung ist, sondern dass die Geschichte auch komplizierter als bei „Codename Tesseract“ ist. In „Zero Option“ ist Victor nicht mehr der freischaffende Killer, sondern wird jetzt ausschließlich von Procter bei der CIA beschäftigt. Victor, der absolute Einzelgänger, mag es überhaupt nicht für jemanden zu arbeiten, aber ihm bleibt nichts anderes übrig als das zu tun was man ihm sagt, wenn er sich die lange Liste von Feinden (CIA inbegriffen) von seinem Rücken fernhalten will.
Victor wurde angeheuert, um gezielt eine Reihe von illegalen Waffenhändlern zu eliminieren. Die Aufträge sollten ganz einfach sein, aber nichts ist so einfach wie es scheint und Victor wird schnell klar, dass er eine Schachfigur in einem tödlichen Spiel ist, indem er all sein Geschick und Können einsetzen muss um zu überleben.

Welche Autoren / Bücher haben den größten Einfluß auf Dich?

Ich wurde oft mit Lee Child verglichen, was ich wirklich interessant finde, da ich bis zur Fertigstellung des ersten Entwurfes meines Romans, nicht ein einziges Buch von ihm gelesen hatte. Das heißt, seitdem habe ich aber auch fast jedes Lee Child Buch verschlungen und ich glaube, dass er ein absoluter Meister darin ist, Geheimnisse zu schaffen. Das Lesen seiner Bücher hat mich sicherlich ein oder zwei Dinge über die mit der „Hand erzeugten“ Spannung gelehrt und ich denke, dass er später schon einen gewissen Einfluß auf mich hatte.

Als ich noch jünger war, habe ich eine Reihe von Fantasy-Romanen des Autors R. A Salvatore gelesen, und seine Hauptfigur war ein Killer namens Artemis Entreri, den ich auch weit mehr mochte als den Helden. Entreri war kein Antiheld, sondern ein Bösewicht durch und durch und im Vergleich zu Victor läßt er ihn wie einen Pfadfinder aussehen! Jedenfalls habe ich keine Zweifel daran, dass es meine Vorliebe für Entreri war, die mich in die Richtung geführt hat, einen Roman über einen Killer zu schreiben. Aber in der realen- und nicht in der Fantasy-Welt.

 
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