Rezension: (Graham Masterton / Der Ausgestossene)

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Kurzbeschreibung:

»Jane? Bist da das?« Sie begann sich langsam am Fuß des Bettes abzuzeichnen. Das Haar wehte um ihr ausgezehrtes Gesicht in einem nicht spürbaren Wind. Was mich am meisten erschreckte, war ihre Größe. In diesen sich nur schwach abzeichnenden, weißen Gewändern war sie mehr als zwei Meter groß. Ihr Haar berührte fast die Decke und sie blickte aus einem reglosen Gesicht auf mich herunter. Kalt wie ein Schauer des nordatlantischen Regens durchdrang mich die Angst. »Du bist nicht wirklich. Jane, du bist tot! Du kannst nicht hier sein, du bist tot!“ »John...« Sie seufzte und ihre Stimme klang, als würden die Worte von vier oder fünf Stimmen gleichzeitig gebildet. »John... schlaf mit mir.«

Meine Rezension:

Die Originalausgabe erschien 1983 unter dem Titel „The Pariah“, in Deutschland wurde „Der Ausgestossene“ das erste Mal 2004 veröffentlicht. Ca. 3 Wochen vorher habe ich „Die Opferung“ von ihm gelesen und auch mit einem neutralen Cover, ohne jegliche Angaben zum Titel oder Autor hätte ich Graham Masterton sofort erkannt, denn sein Schreibstil ist einmalig und unverkennbar, er ist präzise und ohne Umschweife. Das Grauen tritt in seinen Romanen oftmals in Gestalt von Gespenstern oder verfluchten Personen aus dem Reich des Todes auf. Tote, die keine Ruhe finden und in einer Art Zwischenwelt gefangen sind, oder wie in diesem Roman, in den Gefilden der Toten. Seine Stärke liegt ganz klar darin, die Leser mit dem Übersinnlichen zu konfrontieren und mit ihrer Angst zu spielen. Er versteht es nahezu perfekt, eine absolut beklemmende und beunruhigende Atmosphäre zu schaffen. Bei alten Gebäuden sagt man ja immer dass sie leben, aber während man Masterton liest, hat man das Gefühl, dass auch neue Häuser leben und grauenvolle Geräusche machen. Er kommt in seinen Werken mit sehr wenig Blut aus und treibt den Lesern mit „einfachen“ Mitteln die Armhaare in die Höhe. Indem er die Dunkelheit ideal nutzt, unheimliche Geräusche und beängstigende Stimmen perfekt in der Story platziert, gelingt es ihm, einen extrem zu fesseln und in seinen Bann zu ziehen. Es ist eine gnadenlos gute Verschmelzung von Phantastik und klassischem Horror.

Ein gewisser Teil von „Der Ausgestossene“ beruht auf einer wahren Geschichte. Die Geschehnisse sind in den Geschichtsbüchern dokumentiert und bilden sozusagen den Grundstein der Story. Der Schauplatz ist eine Halbinsel in Massachusetts an der Ostküste der USA, die durch ihre Hexenprozesse im Jahre 1692 bekannt wurde. Ein idealer Background um darauf eine Horrorgeschichte aufzubauen. Natürlich wird der Rest der Story reine Fiktion sein, aber das ist auch nicht von elementarer Bedeutung.

Um was geht in „Der Ausgestossene“? John Trenton, ein Antiquitätenhändler aus Granitehead, verlor bei einem schrecklichen Verkehrsunfall seine Frau und sein ungeborenes Kind. Zu den eigenen Schuldgefühlen die in täglich plagen, kommen auch noch die der Schwiegermutter hinzu, die ihn indirekt für den Tod der Beiden verantwortlich macht. Knapp einen Monat nach dem Unfall hört John eines Nachts quietschende und schnarrende Geräusche im Garten bei der Schaukel. Die Schaukel aber ist so schwer, dass sie sich niemals von allein bewegen könnte, aber wer sollte des Nachts dort draußen schaukeln? Völlig verängstig macht er sich auf den Weg zum Fenster, aber es ist nichts zu sehen. Das einzige was er hört, ist ein leises Flüstern und Singen. Sobald er diese Phänomene wahrnimmt, wird es eiskalt und es weht ein Wind den er spürt, aber bei dem sich nichts bewegt. Als die Schemen und Trugbilder immer häufiger auftauchen, wird ihm klar, dass er nicht „allein“ in dem Haus ist. Ein paar Tage später ist es dann soweit, wieder dieses quietschende Geräusch der Schaukel und er schaut wieder nach, nur dieses Mal ist sie da, Jane, seine verstorbene Frau ist schemenhaft auf der Schaukel zu sehen. Was geht hier vor, wird er langsam verrückt, hat er den Tod seiner Frau und seines Sohnes nicht verkraftet? Als er mit anderen Leuten darüber spricht, wird er gewahr, dass auch sie von Stimmen und Geräuschen heimgesucht werden. Und nicht nur das, auch sie werden von ihren Verstorbenen besucht. Er ist zwar nicht verrückt, nur sonderlich beruhigen tut ihn das nicht, denn die Erscheinungen werden immer häufiger und aggressiver und der Albtraum hat gerade erst begonnen.

 
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