Rezension: (Richard Laymon / In den finsteren Wäldern)

Kurzbeschreibung:
Neala und ihre Freundin Sherri nutzen ihre Ferien, um durch die Berge Kaliforniens zu wandern. Sie ahnen nicht, dass man in dem Städtchen Barlow schon auf sie lauert. Die Bewohner verschleppen die Frauen in den Wald und fesseln sie an Bäume - dann laufen sie davon und lassen die beiden zurück. Die Gefangenen können nur warten. Auf die Dunkelheit ... den Wahnsinn ... die Schmerzen ... die hungrigen Krulls.
Meine Rezension:
„In den finsteren Wäldern“ ist das wohl mit Abstand brutalste Werk Laymons, das steht außer Frage. Warum es so spät veröffentlicht wurde, in dieser Version – ca.30 Jahre später? Ich denke es liegt daran, weil er eines der letzten Tabuthemen der Menschheit aufgreift, den Kannibalismus - und die prüden Amerikaner zu der Zeit noch nicht bereit dafür waren. Dieses Phänomen hatte ja seiner Zeit auch Jack Ketchum zu spüren bekommen, als er Anfang der 80er „Beutezeit“ schrieb. Auch dieser Roman wurde mehr als nur einmal abgelehnt, und auch mehrfach versucht zu ändern, bis dann die ungekürzte Version von "Off Season" (Beutezeit)1999 erschien. „In den finsteren Wäldern“ (im Original – The Woods Are Dark) war erst der zweite Roman nach „The Cellar“ (im Sammelband als "Der Keller" erschienen), den Richard Laymon überhaupt geschrieben hat.
Eines gleich vorweg, wer sich davor ekelt Passagen darüber zu lesen, wie die Beine eines der Opfer brutal auseinander gerissen werden, um die Geschlechtsteile abzubeißen, oder es nicht verträgt zu lesen, wie sich in Gedärmen gewälzt wird, Köpfe abgedreht und anschließend auf Holzkreuze aufgespießt werden, der kann gleich hier einen „Cut“ machen und die Rezension plus Roman ad acta legen. Denn dieser Roman ist einfach magenunfreundlich und ist weiß Gott nichts für Warmduscher und Lutscher. Allen anderen, die den Horror in seiner reinsten, ekelhaftesten und abartigsten Form lieben, süchtig nach dem Splatter in Buchform sind, denen kann man dieses Werk nur ans Herz legen, denn diese Fangemeinde kommt voll und ganz auf ihre Kosten.
Die Geschichte beginnt förmlich von Null auf Hundert und man ist sofort drinnen in einem Horrorroman, der, wie ich mal behaupten möchte, in Sachen brutalster Gewalt und Abartigkeit, seinesgleichen sucht. Laymon legt ein unglaubliches Tempo vor, hält sich nicht lange mit Reden und Einleitungen schwingen auf, sondern geht gleich aufs Ganze und der pure „Horror“ bricht umgehend los. Hier gibt es kein langes Vorstellen, kein großes Ausleuchten der Figuren und kein langes Beschreiben des Schauplatzes, denn das ist in diesem Roman sekundär. Von elementarer Bedeutung ist die Handlung in „In den finsteren Wäldern“, welche der „Godfahter of Horror“ gnadenlos und ohne Unterlass vorantreibt. Mit einfachsten Mitteln hämmert er dem Leser die Story in den Kopf, die sich dort in Form von Bildern manifestiert und per Endlosschleife via Kopfkino vor dem geistigen Auge abläuft.
Auch wenn Laymon nicht für den literarischen Hochgenus steht, er nicht bekannt dafür ist, seine Leser auf einem Wattebausch durch seine Geschichten reisen zu lassen, kann man ihm eines in keinem Fall absprechen, dass er ein unglaubliches Talent darin hat, die Leser mit minimalistischem Aufwand zu fesseln. Schade dass Richard schon so früh verstarb, ich hätte mir zu gern einen Roman aus einer Mischung von „Nacht“, „Die Jagd“ und „In den finsteren Wäldern“ gewünscht.
