Rezension: (Stephanie Fey / Die Gesichtslosen)

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Kurzbeschreibung:

Wenn Tote nicht mehr zu erkennen sind, wenn ihr Mörder sie entstellt hat oder nur noch Skelettteile übrig sind, wird Carina Kyreleis gerufen. Die junge Rechtsmedizinerin versteht es wie kaum eine Zweite, den Toten Glanz einzuhauchen und ihnen ihre Gesichter zurückzugeben. Nachdem sie zwei Jahre als Knochen- und Mumienexpertin in Mexiko-Stadt gearbeitet hat, kehrt sie nach Deutschland zurück, um am Münchner Institut für Rechtsmedizin einen Neuanfang zu wagen. Kaum angekommen, steht sie vor ihrem ersten Fall. Ein Killer, der seinen Opfern die Gesichtshaut abzieht, um für immer ihr Antlitz zu bewahren.

Meine Rezension:

Die erste Frage die mir sofort nach dem Lesen des Klappentextes durch den Kopf ging war, bekommen wir jetzt eine Deutsche „Temperance Brennan“ aufs Papier gezaubert? Und ich muss sagen, die Idee hätte mir sehr gut gefallen. Aber, um das gleich klarzustellen, es waren natürlich nur reine Spekulationen meinerseits, die auch keinerlei Einfluss auf die Rezension hatten.

Zur Story:“ Zwei Erzählstränge bilden das Gerüst dieses Romans, in dem die Hauptfigur Carina Kyreleis die Fäden zieht. Das brutale, und nie richtig aufgeklärte Sprengstoffattentat auf den Deutsche Bank Chef Alfred Herrhausen aus dem Jahre 1989, gerät wieder in den Fokus. Natürlich wird Carina „nicht“ unbedingt zufällig in den Fall von damals mit hineingezogen, denn eine Frau, die ihre angeblich getötete Schwester kürzlich wieder gesehen haben will, sucht bei ihr nach Antworten und bittet um Hilfe. Brisant dabei, die Schwester war damals Chefsekretärin beim bayrischen Staatssekretär im Innenministerium. Dieser Strang wird aus der Sicht von Rosa geschildert – der angeblich getöteten Schwester – und beschreibt, wie und was sich bis zu dem Mord tat. In dem zweiten Strang arbeitet Carina an einem bizarren Mordfall, in dem eine Frau verstümmelt aufgefunden wird, und sie nun versucht, Seite an Seite mit ihrem Vater das Verbrechen aufzuklären. Diesen Teil erlebt man aus der Sicht Carinas, und natürlich fließen diese beiden Stränge zusammen, und bilden schlussendlich ein großes Ganzes.“

Aufgrund des vielversprechenden Klappentextes hatte ich große Hoffnung in die Story und die Figuren gelegt, wurde aber von beiden Seiten ein Stück weit enttäuscht. Die Story war recht oberflächlich und wirkte in vielen Passagen einfach nur angerissen. Eine Idee mit zwei Handlungssträngen finde ich persönlich immer gut, aber – und ich denke das war hier das Problem – es müssen ganz viele Faktoren stimmig sein, dass es beim Leser ankommt, ihn fesselt und mitzieht. Das Attentat ist aufgrund der Komplexität des Geschehenen schon allein ein Roman wert, nicht zu Letzt wegen der angeblichen Beteiligung der RAF und der ehemaligen DDR. Carina wird somit, ich denke ungewollt, nach hinten gestellt.

Ein Handlungsstrang, vollständig fokussiert auf die Protagonistin Carina Kyreleis, wäre in diesem Fall sicher die weitaus bessere Lösung gewesen. Ein Handlungsstrang der dem Leser ihre Arbeit näher bringt, ihn ein Stück weit hinter die Kulissen einer Rechtsmedizinerin schauen lässt. Gerade weil dieser Roman der Beginn einer Serie ist, hätte ich mir solch einen Ablauf gewünscht. Gleichzeitig, und auf einfachste Weise wäre es eine Möglichkeit gewesen, so ein intensiveres Verhältnis zu ihr aufzubauen.

Die Figuren, die auch wie die Story als realitätsnah auf der Rückseite beschrieben werden, kann ich nicht nachvollziehen. Carina wühlt einfach überall herum, überschreitet eine Vorschrift nach der anderen, überschreitet jede Grenze und macht wirklich alles, außer ihren Job. Obwohl sie auf der Rückseite des Romans als Gerichtsmedizinerin angepriesen wird, ist sie leider mehr ein Spürhund und eine Polizistengehilfin ihres Vaters. Die Schwester Wanda, die einfach ein paar Tage verschwindet und sich nicht meldet, trotz Sohn im Kindergartenalter, den sie bei Carina lässt. Und zu guter Letzt der Vater und Polizist Matte – Kriminalhauptkommissar der Münchner Polizei -, der scheinbar der einzige Polizist ist, der an dem Fall arbeitet. Einzig und allein Rosa weiß sich als Figur ins rechte Licht zu setzen und überzeugt in ihrem Erzählstrang. Sie ist es, die eigentlich den Part der Hauptfigur hätte bekleiden sollen.

Mein Fazit:“ Ein Roman der ein hohes Erzähltempo mitbringt und eine angenehme Sprache vorzuweisen hat, obwohl er grammatikalisch in einigen Passagen recht haarsträubend daher kommt. Wie schon erwähnt ist mir alles zu sehr angerissen, ohne groß Tiefgang an den Tag zu legen. Manchmal ist halt weniger mehr, eine Story – fokussiert auf Carina – wäre die bessere Lösung gewesen, denn auch die Figuren (ausgenommen Rosa) hätten aufgrund dessen ein klareres Bild abgeben. Für einen Roman am Strand ist er okay, um sich einfach in der Sonne berieseln zu lassen. Da es der erste Roman einer Serie ist, bin ich doch sehr gespannt wie es weitergehen wird, und hoffe auf eine Steigerung.“

 
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