Rezension: (Stephen Leather / Höllennacht)

Kurzbeschreibung:
Jack Nightingale erbt von seinem Vater, den er nie kennengelernt hat, unverhofft ein Vermögen. Doch der Nachlass beinhaltet auch eine Warnung. Sein Vater hat Jacks Seele an den Teufel verkauft, und der wird sie in drei Wochen holen – an Jacks dreiunddreißigstem Geburtstag. Jack glaubt nicht an Gott und schon gar nicht an den Teufel. Doch als immer mehr seiner Freunde eines schrecklichen Todes sterben, kommen ihm Zweifel. Gibt es die Hölle wirklich? Und wie kann er dann seine unsterbliche Seele vor dem ewigen Feuer bewahren?
Meine Rezension:
Höllennacht von Stephen Leather ist viel mehr als der Klappentext dem potentiellen Leser verspricht, denn die Story hat mehr Tiefgang als man anhand der Beschreibung erwarten könnte. Wer hier also eine Story erwartet, bei der Gewalt, Action und jede Menge Blut im Vordergrund steht, den muss ich enttäuschen.
Die Story beginnt eher beschaulich und es gleicht einem, wie soll ich es nennen - „gewöhnlichen Roman“ -, der mehr oder weniger einem Krimi, mit privatdetektivischen Einlagen ähnelt. Nach und nach aber verlässt er diesen Pfad und bewegt sich immer mehr in die Richtung Thriller- und Mystik-Thriller. Satanismus, Hexerei und Dämonenkunde fließen ab da in die Geschichte hinein. Der Okkultismus hält Einzug und sorgt gleichzeitig für ein flottes Tempo und einer ordentlichen Portion Schwung.
Trotz allem ist die Spannung hier im üblichen Sinne Fehlanzeige, was sich aber nicht im Geringsten auf den Lesespaß auswirkt, denn die Story ist einfach ein absoluter Selbstläufer, die von den Dialogen zwischen Jack und Jenny (seine Assistentin), die teilweise sehr melancholisch, aber dann auch wieder sehr liebevoll sind, lebt. Sie wirken weder gespielt noch gekünstelt, und es kommt sehr realitätsnah herüber. Man erwischt sich immer wieder, wie man über das Gesprochene in den Dialogen ein zweites Mal nachdenkt, aber auch, wie es einem die Mundwinkel nach oben schiebt, wenn sich Jack und Jenny necken, ja förmlich liebkosen. Leathers gute Sprache lädt förmlich dazu ein, alles aufzusaugen und es einfach nur zu genießen.
Der Fokus dieser Story ist, wie sich unschwer erahnen lässt, auf Jack gerichtet. Denn er ist es, den man begleitet, miterlebt, wie sein Leben vollständig aus den Fugen gerät, sich Seite für Seite der Abgrund immer mehr öffnet, sich der Himmel nach jedem Umblättern Stück für Stück mehr verdunkelt, und es für Jack kaum noch möglich ist, zwischen Realität und Wahnsinn zu unterscheiden. Ein Schicksalsschlag jagd den nächsten und man fragt sich unweigerlich, inwieweit trägt Jack sein tun dazu bei? Das Umsetzen dieses „den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen“ ist ihm perfekt gelungen und es ist fast unmöglich, auch nur die kürzeste Lesepause einzulegen.
Neben der großartigen Story bleibt noch zu erwähnen, dass die Figuren Jack und Jenny die heimlichen Gewinner in diesem Roman sind, denn sie überzeugen mit ihrem Auftreten auf ganzer Linie. Sie haben Feedback, enorm viel
Farbe und einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Und wenn man es genau betrachtet, ist es ihm bei Jack sogar gelungen, ihn auch ohne die geringste optische Komponente (bis auf seine Größe), authentisch auszustatten. Des Weiteren sind sie keine Übermenschen, die unverletzt einen Kugelhagel überstehen, danach aufstehen als wären sie nur von einem Mückenschwarm angefallen worden. Sie haben Gefühle und leiden, und genau das ist es, was sie so realistisch, so angenehm macht.
