Rezension: (Chevy Stevens / Still Missing)

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Kurzbeschreibung:

Ein ganz normaler Tag, ein ganz normaler Kunde mit einem freundlichen Lächeln. Doch im nächsten Moment liegt die junge Maklerin Annie O'Sullivan betäubt und gefesselt in einem Lastwagen. Als sie erwacht, findet sie sich in einer abgelegenen, schallisolierten Blockhütte wieder. Ihr Entführer übt die absolute Kontrolle über sie aus. Ein endloser Albtraum beginnt, hinter dem ein noch schlimmerer auf sie wartet...

Meine Rezension:

„Man hat das Gefühl, Chevy Stevens wandelt mit „Still Missing“ auf denselben und erfolgreichen Pfaden wie Joy Fielding. Sie überzeugt in ihrem Erstlingswerk mit großen Gefühlen und Emotionen, und mit einer weiblichen Hauptfigur, die aufgrund ihrer authentischen Art blendend funktioniert.“

Die Story wird aus der Sicht von Annie O’Sullivan geschildert, und ist ein fließender Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart, der ihr einen unglaublich positiven Schub verleiht, weil aufgrund dessen zu keiner Zeit Langeweile aufkommt.
In dem Erzählstrang der Gegenwart erzählt Annie Ihrer Psychiaterin alles was sie jetzt fühlt, was sich seitdem verändert hat und wie sie nach ihrer Gefangenschaft lebt. Die Tatsache, dass die Psychiaterin nicht einen einzigen Satz spricht, macht diese Dialoge – oder vielmehr Monologe - erst so richtig lesenswert, und somit sind die Scheinwerfer voll auf Annie gerichtet. Allein die Wortwahl, ihre teilweise kratzbürstige, kesse und impulsive Art – die natürlich auf die schlimmen Geschehnisse zurückzuführen ist – macht sie einzigartig und liebenswürdig. Kurz um, man mag sie aber der ersten Seite.

Der zweite Erzählstrang, in dem sie ihr das Erlebte bis ins kleinste Detail schildert, wie sie die Hölle auf Erden erlebte, die sie in ihrer Gefangenschaft durchmachen musste, ist sehr ergreifend. Aufgrund dieser fast körperlichen Nähe, die Chevy Stevens allein mit ihren Worten erzeugt, erlebt man den psychischen und physischen Terror hautnah – über Demütigungen, Bestrafungen, körperlichen Missbrauch, bis hin zur täglichen Vergewaltigung - und spürt den Schmerz fast an sich selbst, den sie erleiden-, erdulden und über sich ergehen lassen musste – über die ganze lange Zeit hinweg.

Die Figuren, speziell Annie – die in ihrer Kindheit schon genug hatte durchzustehen müssen – kommt sehr authentisch daher. Ebenso ihr Peiniger David, der alles mitbringt, was einen „richtigen“ Psychopathen ausmacht, ich möchte an dieser Stelle zu viel ausplaudern. Mit diesen beiden Charakteren hat Chevy Stevens jedenfalls alles richtig gemacht. Ein weiterer positiver Punkt ist, der aufgrund der Gefangenschaft Annies begrenzte Schauplatz. Das nervige "groundhopping" fällt dadurch aus. Folglich dreht sich alles um die Story, die deshalb durchweg spannend ist und keinen Leerlauf bietet.

Mein Fazit:„Chevy Stevens hat ein Händchen dafür bewiesen, dass wenn man es richtig anfasst, es versteht so eine Geschichte mit den richtigen Worten und den passenden Figuren auszustatten, sie extrem mitfühlend und herzzerreißend herüberkommt. Sie erzeugt ein Wechselbad der Gefühle, von Trauer bis hin zum tiefsten Hass ist alles vertreten... was will man also mehr?“

 
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