Rezension: (Keith Ablow / Infam)

Kurzbeschreibung:
Nach seinem letzten, traumatischen Einsatz wollte der Psychiater Frank Clevenger eigentlich nie wieder für die Polizei arbeiten. Doch als der junge Billy Bishop verdächtigt wird, seine Stiefschwester ermordet zu haben, lässt er sich dazu überreden, den Jungen zu untersuchen. Er ahnt nicht, dass er sich damit in den Sog eines tödlichen Psychodramas begibt, aus dem es auch für ihn bald keinen Ausweg mehr zu geben scheint.
Meine Rezension:
Wer unseren Psychothriller König Sebastian Fitzek liebt, der wird auch den amerikanischen King dieses Genre, Keith Ablow lieben und seine Romane aufsaugen, ja förmlich inhalieren. Dass Keith Ablow einer der führenden forensischen Psychiatern in den USA ist, macht sich auch in seinen Romanen bemerkbar. Er weiß genau worüber er schreibt und weiß auch genau, und ich glaube das ist von elementarer Bedeutung, wie man einen Leser mit diesem Thema fesselt, ihn bei der Stange hält und ihn mit aller Macht zwingt weiterzulesen.
„Infam“ ist bereits der zweite Thriller aus der Reihe um den forensischen Psychater Frank Clevenger aus Chelsea, Massachusetts. Aufgrund der Tatsache, dass der Serienheld Frank kein Übermensch ist, fällt es einem spielend leicht, sich mit ihm durch den Dschungel von Falschheit, Missbrauch, krankhafter Besessenheit und Machtgier zu bewegen, und erlebt hautnah wie Clevenger seine Fälle mit Hilfe forensischer Psychiatrie löst.
Keith Ablow schafft mit „Infam“ einen im wahrsten Sinne verkehrten Irrgarten, bei dem es weit mehr als nur einen Ausweg gibt, aber in dem man sich permanent in den von ihm gegebenen Möglichkeiten verrennt. Verzweifelt nach den endlos, vielen losen Fäden sucht, um vielleicht einen kleinen Anhaltspunkt zu finden, der einen auf die richtige Spur führt und endgültig Licht ins Dunkel bringt. Man saugt alle Information wie ein Schwamm auf, doch noch bevor man sie verarbeiten kann, tröpfeln sie aus den Poren wieder hinaus, und man bleibt schulterzuckend zurück, ohne die geringste Erklärung in der Hand. Er beherrscht es perfekt, den Leser in die Irre zu führen, ihn wie auf einer Schnitzeljagd durch den Roman zu jagen. Eine Schnitzeljagd, die man in der „Ich“ Form von Frank erlebt.
Zeitgleich lässt er den Leser tief in die Psyche des Menschen hineinsehen, und führt ihm zum einen klar vor Augen, dass selbst schon Kleinigkeiten reichen können, die einem Kind angetan werden, um es für sein gesamtes Leben zu zeichnen.
Zum anderen zeigt er aber auch auf, wie abgrundtief böse Menschen sein können, die so selbstsüchtig und selbstverliebt sind, und alles versuchen um an ihr persönliches Ziel zu kommen.
Sein Schreibstil rundet dieses mehr als gelungene Werk ab, und passt zu diesem Genre wie die Faust aufs Auge. Sie ist leicht verständlich, besteht aus kurzen und präzisen Sätzen und ist an Dramatik kaum zu überbieten. „Infam“ ist einfach ein Psychothriller, der aber auch wirklich alles zu bieten hat, was ein Fan dieses Genre erwartet.
Zum Inhalt werde ich mich nicht weiter äußern, denn der Klappentext ist an Information völlig ausreichend. Versucht diesen Roman, und ihr werdet süchtig nach diesem Autor werden.
