Rezension: (Andeas Gruber / Rachesommer)

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Kurzbeschreibung:

Vier mysteriöse Todesfälle, ein geheimnisvolles Mädchen – und ein Sommer der Rache Wien. Vier wohlhabende Männer im besten Alter sterben innerhalb kürzester Zeit unter ähnlichen Umständen. Und nur die Anwältin Evelyn Meyers glaubt nicht an Zufall ... Leipzig. Mehrere Jugendliche, allesamt Insassen psychiatrischer Kliniken, sollen Selbstmord begangen haben. Kommissar Pulaskis Misstrauen ist geweckt, er beginnt zu ermitteln. Seine Nachforschungen bringen ihn mit Evelyn zusammen, und ihre gemeinsame Spur führt sie bis zur Nordsee, zu einem Schiff, das ein schreckliches Geheimnis birgt ...

Meine Rezension:

Ganz anders als noch zum Beispiel in „Der Judas-Schrein“, bleibt Andreas Gruber in "Rachesommer" dem klassischen Thriller-Genre treu, ohne auch nur ein kleines Stück in den Bereich Fantasy auszubrechen. Rachesommer ist ein „Meet and Greet“ zwischen österreichischer Gesetzesvertreterin und deutschem Gesetzeshüter…

Ein Geheimnis des Erfolges von „Rachesommer“ ist die Aufteilung des Romans in zwei auf Anhieb – zuerst noch nebeneinander herlaufende-, packende Storys – die den Leser sofort in ihren Bann ziehen und ihn relativ früh spüren lassen, dass hier etwas richtig Gutes auf ihn wartet. Zwei Handlungsstränge, so könnte man meinen, wenn man sich im Vorfeld in keinster Weise mit dem Roman auseinander gesetzt-, sprich den Klappentext oder die Rezensionen gelesen hat, eigentlich nichts miteinander zu schaffen haben. Ohne Frage, es wäre albern so etwas zu konstruieren, und so fließen sie natürlich auch im Laufe der Geschichte ineinander und bilden eine komplexe und spannende Geschichte. Ich habe selten gesehen, oder vielmehr gelesen, dass beide Geschichten in einem Roman so gleich stark geschrieben sind, wie in „Rachesommer“.

Der gemeinsame Nenner der zwei Erzählstränge ist schnell gefunden - ich würde spoilern wenn ich an dieser Stelle einen Wink geben würde - und sofort beginnt das große Grübeln und Tüfteln. Die Frage nach dem „wie ist das alles möglich“ und „wie kann das alles sinnvoll zusammenlaufen“ geistert dem Leser fortwährend durch den Kopf. Ein Ausruhen, oder zwischenzeitliches Schonen der grauen Zellen ist aufgrund der Komplexität nicht möglich – sprich Erholungsphasen sind Fehlanzeige.
Die Geschichte beinhaltet genau die Facetten, die ein Roman benötigt, um in allen Belangen zu überzeugen, abwechslungsreich und mitreißend zu sein. Der Leser durchlebt ein Wechselbad der Gefühle, über Mitleid und Fassungslosigkeit, bis hin zu Zorn und Wut.

Ein weiterer Glücksgriff – ich nenne es doch lieber das Verständnis und das Einfühlungsvermögen zu haben, was die Leser von einer oder mehreren Figuren erwarten – sind die zwei Charaktere Evelyn und Walter. Sie strotzen vor positiver Ausstrahlung und Energie, und liegen deshalb auf einer „ich hab dich lieb Skala“ ganz weit oben. Sie besitzen unglaublich viel Feedback und kommen extrem sympathisch daher. Walter wird relativ schnell von Gruber „geoutet“, und man weiß schon recht früh was sich hinter dem Charakter verbirgt, was man von ihm erwarten kann. Bei Evelyn verhält es sich etwas anders, bei ihr hält er sich ein Stück weit zurück, und füttert den Leser Stückchen für Stückchen, nach und nach mit Informationen über ihr Leben, über ihre Vergangenheit. Das alles als Gesamtpaket betrachtet, macht diese Figuren zu einem Genuss, und man freut sich jedes Mal beim Wechsel von einem zum anderen Erzählstrang, auf das Einlassen und das Begleiten der Charaktere durch die Story. Und das, obwohl sie eigentlich aufgrund aller menschlichen Merkmale, nicht unterschiedlicher hätten sein können, sei es das Alter, Männlein – Weiblein, Job, Erlebnisse, Familienstand usw usw.

Mein Fazit:“ Rachesommer“ ist für mich persönlich einer besten Thriller aus dem Jahre 2011. Denn etwas vergleichbares, etwas was so überzeugend und mitfühlend und spannend geschrieben ist, hatte ich selten in den Händen.“

 
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