Rezension: (Todd Ritter / Das Schweigen der Toten)

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Kurzbeschreibung:

Ein gefesselter Mann, die Augen verbunden. Er lauscht in die Dunkelheit. Er hört Schritte. Er will schreien und kann es nicht. Seit Menschengedenken hat sich in Perry Hollow kein Gewaltverbrechen ereignet. Doch an diesem Morgen wird ein Bürger des kleinen Ortes gefunden: in einem Sarg, die Lippen zugenäht, der Körper ausgeblutet. Während sich Kat Campbell, Sheriff der kleinen Stadt, an die Ermittlungen macht, geht bei der Perry Hollow Gazette der Text für eine weitere Traueranzeige ein. Todeszeit: in einer halben Stunde.

Meine Rezension:

Mit „Das Schweigen der Toten“ ist Todd Ritter ein Debüt-Roman gelungen, der sich vor der großen Konkurrenz in diesem Genre nicht zu verstecken braucht, und auf mehr Romane von ihm hoffen lässt.

Todd Ritter lässt in seinem Buch tief in die Künste der Thanatopraxie blicken - der Einbalsamierung von Leichnamen - und es läuft einem doch das ein oder andere Schauer über den Rücken, wenn er so richtig ausholt, um dem Leser die Prozedur von Anfang bis Ende näher zu bringen. Um solch einen Job ausführen zu können, benötigt man mit Sicherheit eine andere Einstellung zu dem Tod, nur so sind die Aufgaben rechtens und gewissenhaft zu erledigen. Hier merkt der Leser deutlich, gute Recherche zahlt sich halt einfach aus.

Sein einfacher und völlig unbefangener Schreibstil-, und seine Art die Geschichte zu erzählen, beeindruckt ab der ersten Seite. Er schreibt so frisch-fromm-fröhlich-frei heraus, ohne irgendetwas unnötig zu verkomplizieren - er nennt die Dinge einfach beim Namen, so wie man sie kennt. Hinzu kommen Figuren, die alle durch die Bank keine Übermenschen sind, sondern verwundbar und verletzlich sind, wie jeder andere Mensch auch. Das macht sie in ihrem ganzen Verhalten, beim Bewegen in der Story so sympathisch, und ein Identifizieren mit ihnen wird ein leichtes.
Der Schauplatz, ein kleines Städtchen im Bundesstaat Pennsylvania ist klug gewählt, denn gerade weil es eine Kleinstadt ist, erspart er so dem Leser das viele Umherspringen durch unzählige Straßen, und die Geschichte spielt sich so sehr zentral ab. Der Leser wird nicht abgelenkt, der Focus bleibt voll auf der Story und die Bindung somit erhalten. Er weiß genau wann und wo er der Szenerie ein Stück optischen Tiefgang verleihen kann, und wann nicht. Nur so bleiben auch die temporeichen Passagen spannend, ohne durch ausuferndes Beschreiben des Schauplatzes eingebremst zu werden.

In der Mitte aber hatte der Roman einen leichten Durchhänger, wo mich doch so leicht die Angst packte, und ich das Gefühl bekam – das war es jetzt. Das war der Zeitpunkt, wo es mir ein bisschen zu sehr dahinplätscherte, und die Story dadurch an Tempo und Spannung verlor.
Ein weitere Punkt, der neben dem Dahinschleichen in der Mitte des Romans, vielleicht nicht so ganz optimal war, war ein eigentlich nicht zu übersehender Hinweis an den Tatorten, ein Indiz, das die Ermittler niemals hätten übersehen können, und der Spur hätten sofort nachgehen müssen.

Mein Fazit: „Im Ländlichen würde man „Das Schweigen der Toten“ als gute Hausmannskost bezeichnen, etwas, was die Geschmacksrezeptoren nicht unbedingt zum Explodieren bringen würde, aber etwas, dass man jederzeit wieder gerne auf dem Teller hätte.“

 
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