Rezension: (Harlan Coben / In seinen Händen)

Kurzbeschreibung:
Die 17-jährige Haley McWaid führt ein idyllisches Vorstadtleben: mustergültige Schülerin, Captain des Lacrosse-Teams und schon mit einem Bein im renommierten Elite-College. Doch dann verschwindet Haley von einem Tag auf den anderen spurlos, und für die McWaids bricht eine Welt zusammen.
Derweil feiert Fernsehreporterin Wendy Tynes mit ihrer Show Quotenerfolge: Vor laufender Kamera stellt sie mutmaßlichen Sexualverbrechern eine Falle. Ihr neues Opfer ist Sozialarbeiter Dan Mercer, den sie mühelos überführt und der bald auch mit Haleys Verschwinden in Verbindung gebracht wird. Doch Dans Geschichte ist nicht so einfach, wie alle glauben, und nach und nach kommen Wendy Zweifel. Sie beginnt neue, unbequeme Fragen zu stellen. Und obwohl ihr dabei jemand gewaltige Steine in den Weg legt, merkt sie bald, dass auch in der Vorstadtidylle oft alles anders ist, als es scheint …
Meine Rezension:
„Was diesen Roman so anders macht, und warum man vor Harlan Coben den imaginären Hut ziehen muss - mag man ein Fan sein oder auch nicht - ist seine Art, die Storys so unglaublich komplex, mit unzähligen Überraschungen und Wendungen auszustatten, dass es einem fast schwindelig wird.“
Was aber die Geschichte in „In seinen Händen“ so extrem „wuchtig“ erscheinen lässt, sind die zwei Handlungsstränge - die an sich schon jeder für sich allein eine eigene Story hätten bilden können - die nach und nach zusammenfinden, und natürlich auch am Ende den „Ah, das gibt es nicht, das hätte ich jetzt nicht gedacht„ Effekt auslösen.
Ps:“Wer bei diesem Roman sagt, es war vorhersehbar, welche Figur welche Fäden zieht, wer etwas Schlimmes getan hat, und warum er es getan hat, der lügt.“
Sie ist geschickt ausgeklügelt, mit der nötigen Portion Witz - das bezieht sich hauptsächlich auf die Dialoge zwischen Wendy und ihrem Sohn Charlie - und mit viel Ideenreichtum ausgestattet. Um nicht den Faden zu verlieren, um nicht die kleinen Krumen zu übersehen, die Coben hier und da für den Leser fallen lässt, ist ein „flüchtiges zwischendurch lesen „, aufgrund dieser Komplexität nicht wirklich angebracht und ein voll dabei sein, ein dranbleiben unabdingbar.
Vielleicht sollte man sich einfach die Zeit nehmen, sich seine Gedanken um den weiteren Werdegang in der Story zu machen, möglich auch – so wird es jedenfalls gerne praktiziert – sich ein paar Notizen niederzuschreiben.
Ein Roman könnte niemals spannend, packend, mitreißend – es gibt unglaublich viele Beschreibungen für einen gelungenen Thriller – sein, könnte niemals das gewisse etwas beim Leser hervorrufen, wenn die Figuren nicht gut gezeichnet wären, kein Feedback oder keine gute Ausstrahlung hätten. Cobens Figuren sind angenehme Zeitgenossen, sehr realitätsnah und überzeugend, sowohl in den Handlungen, als auch in den Dialogen. Gerade weil sie nicht unfehlbar sind, ihre Schwächen und natürlich auch ihre „normalen“ Stärken wie jeder andere haben, machte es sie zu einem Highlight.
Zusammengefasst wartet in Harlan Cobens „In seinen Händen“ die pure Niedertracht, das personifizierte Böse und extrem hinterhältige Intrigen auf den Leser. Kurzum, alles was für Gänsehaut sorgt, was einem den Kopf schütteln- und die Fingernägel kauen lässt, ist in diesem Roman vertreten.
Was mich persönlich aber fast in den Wahnsinn getrieben hätte, zumindest im ersten Drittel des Romans, waren die viel zu heftig ausgeschmückten und verschachtelten Sätze, die das Tempo und den Spaß das ein ums andere Mal doch erheblich beeinträchtigten. Dabei geht es nicht um die Dialoge zwischen den Figuren, die sind ihm wirklich mehr als perfekt gelungen. Es geht einzig und allein um die Passagen, in denen irgendeine Aktion, oder einfach nur ein Gegenstand deart überzogen beschrieben wird, das es schon als überflüssig und nervtötend gilt. Dieses Phänomen ließ - dem Herrn oder seiner eigenen Einsicht sei dank - nach. Aufgrund dessen, und weil die Story einfach unglaublich fesselnd und spannend ist, hat es ihn keinen Stern gekostet und erhält somit die volle Anzahl.
Zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle nichts verraten, weil die Geschichte erstens zu umfangreich ist, und ich zweitens auch niemanden den Spaß an diesem Roman nehmen möchte, in dem ich vielleicht zu viel verrate. Der Klappentext ist aussagekräftig genug. Jedenfalls ist dieser Roman ein Muss für Thriller-Fans.
