Rezension: (Wulf Dorn / Trigger)

Kurzbeschreibung:
Der Fall einer misshandelten Patientin wird für die Psychiaterin Ellen Roth zum Alptraum: Die Frau behauptet, vom Schwarzen Mann verfolgt zu werden. Kurz darauf verschwindet sie spurlos. Bei ihren Nachforschungen wird auch Ellen zum Ziel des Unbekannten. Er zwingt sie zu einer makaberen Schnitzeljagd um ihr Leben und um das ihrer Patientin. Für Ellen beginnt ein verzweifelter Kampf, bei dem sie niemandem mehr trauen kann. Immer tiefer gerät die Psychiaterin in ein Labyrinth aus Angst, Gewalt und Paranoia. Und das Ultimatum läuft...
Meine Rezension:
Neben Sebastian Fitzek und Michael Hübner ist Wulf Dorn nun mein dritter deutscher Schriftsteller, von dem ich jetzt den ersten Roman gelesen habe und ich sagen muss, dass ich auch hier nicht im Geringsten enttäuscht wurde. Wulf Dorn steht seinen beiden Mitstreitern im nichts nach, denn auch er glänzt mit einem unglaublichem Ideenreichtum und Fachwissen, dem eine Arbeit in der Betreuung von Psychiatrie-Patienten vorausgeht und er somit bis ins kleinste Detail weiß, worüber er schreibt. Nicht umsonst wurde „Trigger“ in sieben weitere Sprachen übersetzt.
Wulf Dorn steht in „Trigger“ für mitreißende Spannung, die er Seite für Seite steigert und den Leser somit nicht mehr aus seinen Fängen lässt. Des Weiteren kommt er mit einer unglaublich angenehmen Sprache daher, die sich wie an der Schnur gezogen liest, weil sie so „einfach“ und realistisch ist und nicht im Geringsten aufgesetzt klingt. Vor allem aber hat er Figuren geschaffen, die alles mitbringen was der Thriller-Leser erwartet. Er will sich mit den Figuren identifizieren, will mit ihnen leiden, sich beklommen fühlen wenn sie es auch tun, im Umkehrschluss natürlich auch ihre die Euphorie teilen und sich mit ihnen freuen. Dorns Figuren sind absolut authentisch und schon nach kurzer Zeit ist man mit ihnen auf einer Wellenlänge, und speziell Ellen, die unglaublich emotional ist - und so auch dementsprechend agiert und reagiert - wächst einem schnell ans Herz und man fiebert jede Seite mit ihr durch die Story. Es ist ein nicht enden wollender Höllenritt, der mit mehr physischen und psychischen Belastungen aufwartet, als ein normaler Mensch - sprich Ellen - verarbeiten kann.
Er entführt den Leser in die Welt der psychisch Kranken, was jetzt aber um Himmels Willen nicht abwertend oder beleidigend klingen soll und zeigt auf, was im Kopf eines Menschen alles passieren kann, bei dem zum Beispiel eine „Fehlfunktion“ im Gehirn vorliegt. Was Menschen aus Angst alles selbst „erschaffen“, um schlimme Dinge aus vergangenen Tagen zu verdrängen, die deswegen auch niemals aufgearbeitet wurden.
„Trigger“ ist wie ein Ritt auf der Rasierklinge, in Ritt zwischen Realität und Wahnsinn.
Was mich aber wiederum in „Trigger“ gestört hat, und dass auch dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein wird, ist die Tatsache, dass der Leser viel zu schnell weiß, was mit der Hauptfigur Ellen los ist, was in ihr vor sich geht. Vorsicht Spoiler:“ Spätestens nach dem Verschwinden der Patientin - nach einem dreitägigen Aufenthalt aus dem Krankenhaus - ohne dass irgendjemand überhaupt nur das Geringste von dieser Person mitbekommen hat, weiß man Bescheid. War es vielleicht sogar vom Autor gewollt, wenn ja, warum? Das nächste Problem was ich gesehen habe, ist der von Dorn gewählte Titel, denn wer sich halbwegs mit dem Thema auskennt, oder einfach gesagt, des Öfteren schon einen Psychothriller gelesen hat, der weiß was „Trigger“ bedeutet und dem Leser somit schon eine Menge offenbart.
Nichts desto trotz ist „Trigger“ ein Thriller, der in jedem Fall einen Platz im Bücherregal haben sollte, zumindest bei den Fans dieses Genres, denn die werden den Roman lieben.
