Rezension: (Thomas Finn / Weißer Schrecken)

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Kurzbeschreibung:

Die kalte Jahreszeit in Perchtal, einem einsamen Dorf im Berchtesgadener Land, scheint besinnlich wie immer. Bis eine Gruppe Jugendlicher einen grauenhaften Leichenfund macht: Ein junges Mädchen treibt unter dem Eis eines Sees, und es ähnelt den Zwillingen Miriam und Elke auf verblüffende Weise. Doch die beiden wissen nichts von einer Verwandten … Bei ihren Nachforschungen stoßen die Freunde auf ein blutiges Geheimnis, das der Pfarrer des Dorfs hütet. Und sie schrecken dabei eine uralte Macht auf, die ihre Rückkehr in unsere Welt vorbereitet.

Meine Rezension:

Das Verhältnis zwischen dem heiligen St. Nikolaus, Knecht Ruprecht und Frau Perchta (auch bekannt unter dem Namen Frau Holle), spielt in diesem Roman eine existentielle Rolle. Schon die Namensähnlichkeit zwischen Frau Perchta und Knecht Ruprecht lässt eine Verbindung zwischen den beiden Figuren erahnen. Dafür spricht auch ihr belohnendes, bzw. bestrafendes Verhalten, sowie dass beide bevorzugt in den Wintermonaten auftreten.

„Weißer Schrecken“ ist ein fantastischer Thriller, fantastisch auf Fantasie bezogen, der perfekt in die weiße Jahreszeit passt, speziell natürlich in die Zeit zwischen dem vierten und dem sechsten Dezember. Und was wäre da besser, als mit Andy, Niklas, Robert, Elke und Miriam fünf Teenager-Figuren zu erschaffen, die durch einen grausigen Zufall – einem schrecklichen Kinderleichenfund - hinter ein dunkles Geheimnis kommen, dass bis in die Zeit vor Christus zurück geht, und seit dem die kleine Gemeinde Perchtal alle Jahre wieder bedroht. Thomas Finn hat eine Geschichte entwickelt, die es wohl in dieser Zusammensetzung bisher noch nicht gegeben hat - zumindest habe ich noch nichts Vergleichbares gelesen – in der das Schöne und Gute, immer auch mit dem Bösen einhergeht - bezogen auf den religiösen Bereich.

Die Geschichte ist sehr spannend und mitreißend geschrieben, und lebt natürlich von den grausigen Geschehnissen in-, und rund um Perchtal, die die 5 hautnah miterleben, bei denen sie zunächst unwissend und natürlich ungwollt die Hauptrolle spielen. Ein weiterer Punkt, der der Story unglaublich gut tut, ist das von Finn erzeugte kritische Verhältnis zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen, wobei hier die Erwachsenen ganz klar die Bösen sind, und er aufzeigt, welchen Einfluss und welch grausame Macht sie auf Kinder ausüben können.
Aufgrund der Tatsache, dass Kinder die Hauptfiguren bilden, geht einem die Story noch ein Stück näher und man spürt es irgendwie intensiver – man ist sensibeler. Die Figuren sind auch "das" echte Highlight in diesem Roman, denn schon innerhalb kürzester Zeit hat man sie lieb gewonnen. Thomas Finn hat ein Gespür dafür, wie er einem die Charaktere so Nahe bringt, um sich zu fühlen als sei man bei ihnen - bei ihnen in Pechtal, um die Story so hautnah mitzuerleben. Hinzu kommt eine Sprache - die halt absolut typisch für Jugendliche ist – mit der sich der Roman wie in einem Rutsch lesen lässt.

In vielleicht kleiner Minuspunkt ist das Verhalten der 5 Teenies, bei dem ich mir nicht so sicher bin, ob man im Alter von 15 Jahren so mutig und abgebrüht auf die doch phasenweise sehr heftigen Situationen reagiert.
Ein weiters Manko für einige Leser ist eventuell das zu ausgeprägte Beschreiben der ganzen Bräuche und Begebenheiten, die der Glauben an die göttlichen- und keltischen Figuren mit sich bringt. Leser, die sich nicht so mit der Materie auskennen, deren Glauben möglicherweise nicht so stark ausgeprägt ist, oder diejenigen, die schlicht weg einfach nicht interessiert sind, können sich aufgrund dessen vielleicht nach einer gewissen Zeit ausblenden, weil es einfach von den Informationen her zu viel wird.

Trotz allem aber bleibt die Spannung dauerhaft auf höchstem Niveau und geht zu keiner Zeit verloren. Weißer Schrecken ist auf jeden Fall ein sehr guter Thriller, der aber vielleicht seine ganz spezielle Wirkung auch wirklich nur zu Winterzeit entfalten kann.

 
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