Rezension: (Daniel Annechino / Leise stirbst Du nie)

Kurzbeschreibung:
Du hast gesündigt. Dafür wirst du sterben. Ich weine nicht länger. So also werde ich sterben. Er wird den kalten Stahl benutzen. Ich schließe meine Augen und beginne zu beten...
Meine Rezension:
Leider gibt es Thriller, die haben nicht einmal den Titel Thriller verdient, und dazu gehört „Leise stirbst Du nie“. Dieses, ich nenne es einfach mal Buch, ist die Reinkarnation der Langeweile, und macht problemlos dem Telefonbuch und den Gelben Seiten Konkurrenz. Auf einer Bewertungsskala von 5 Sternen, wie sie bei Amazon üblich ist, gebe ich einen gut gemeinten Stern für das rote Einlegebändchen, weil man sich so das herkömmliche Lesezeichen spart. Ansonsten würde ich glatte null Sterne vergeben, denn ich vermisse die verschenkten Stunden, die ich für das Lesen geopfert habe.
Ich muss nicht den ganzen Roman lang einen wilden Ermittlungsmarathon durchleben, denn wenn dem so wäre, würde es ein gewöhnlicher Krimi tun. Aber so wenig wie hier ermittelt wird, Fragen gestellt, Besprechungen abgehalten, nach Zeugen gesucht, Proben genommen werden usw. usw. , ist mir dann doch eine Spur zu wenig. Ich hatte das Gefühl, dass er ist sich über die Abläufe bei der Polizeiarbeit überhaupt nicht im Klaren ist, und vielleicht auch deswegen so wenig darauf eingegangen ist. Er hat es mehr angerissen, als explizierter darauf einzugehen - und das bei einem Thriller. Recherchen hätten da sicher nicht geschadet.
Zu sehr stehen auch die familiären Diskrepanzen zwischen Sami und der nervenden Mutter, die scheinbar immer das letzte Wort haben muss, im Vordergrund. Hinzu kommt das ständige Geschwafel um Gefühle, die Sami für den Mörder hegt. Dazu noch die völlig unlogischen Handlungen der Figuren, die ihnen vom Autor in den Schoß gelegt wurden, dass mir aufgrund des Kopfschüttelns schon fast schwindlig wurde. Ein Beispiel:
„Simon fährt einen schwarzen Pick-Up, von denen es in San Diego so einige gibt, so weit so gut. Dass er aber unter ihnen (den baugleichen schwarzen und denen, die auch das gleiche Baujahr haben), die Kennzeichen umhertauschen kann, weil sich fast alle Besitzer in San Diego ihre Kennzeichen nicht merken können, dann hört es für mich auf.“
PS: Er tauscht die Kennzeichen wöchentlich !!! Wie dumm sind diese armen Menschen.
Wenn ich einen Thriller lese, dann will ich hautnah dabei sein, mich in der Story gefangen fühlen und sie durch die Augen der Hauptfiguren erleben. Ein Thriller muss mich in seinen Bann ziehen und mich nicht mehr loslassen. Wenn ich augenblicklich nicht lese und einer anderen Tätigkeit nachgehe, und trotzdem über den Roman nachdenke der zu Hause angefangen auf mich wartet, dann hat der Autor alles richtig gemacht.
Hier aber hatte ich das Gefühl, er war sich nicht ganz sicher was er eigentlich schreiben wollte, denn für einen Thriller und auch für einen Liebesroman war es zu wenig. Der Schwerpunkt lag hier irgendwo dazwischen, was am Ende weder Fisch noch Fleisch war.
Eines habe ich zumindest gelernt, ich weiß jetzt warum die USA eine solch hohe Gewaltrate haben. Die zwei Ermittler Sami und Al sind die zwei größten Tranfunzeln die mir je in einem Roman untergekommen sind. Projiziert man diese zwei Figuren auf das wahre Leben, sie würden nicht einmal den Weg aus dem Haus finden, hätte man ihnen nicht den Plan auf die Innenseite der Augenlieder geklebt.
