Rezension: (Jack Ketchum / The Lost)

Kurzbeschreibung:
Ein Campingplatz im Wald. Ein heißer Sommertag. Zwei Frauen. Opfer für den Teenager Ray, der töten will. Ein Blutbad, bei dem seine Freunde tatenlos zusehen. Ray kommt ungeschoren davon. Nur zwei Cops lassen nicht locker. Sie wollen den Mörder, um jeden Preis. Ray sieht nur einen Ausweg. Sein Amoklauf explodiert in einem Inferno von Hass, Gewalt und Blut. Ein Alptraum, der alle mit sich reißt.
Meine Rezension:
*The Lost* von Jack Ketchum, ein weiterer Roman nach einer wahren Begebenheit, ist in meinen Augen eines der besten Bücher von ihm, wenn nicht sogar das Beste. Zuerst möchte ich erwähnen, in welchem Jahr die Geschichte spielt und warum es von elementarer Bedeutung ist. Die Story spielt kurzzeitig im Jahr 1965 ( ein Rückblick ) und dann geht es im Jahr 1969 weiter. Vielleicht fragen sich jetzt einige, was daran so wichtig sei und was das mit der Story zu tun hat. Ganz einfach. Es war die Zeit des Vietnamkriegs, die Zeit von Woodstock, Love & Peace und Unmengen an Drogen und Alkohol. Die Gewaltbereitschaft stieg und auch die Abneigung gegen „andere“ Menschen. In der Geschichte wird ein ums andere Mal erwähnt, wie es noch in den Jahren zuvor gewesen war, als die Leute noch ihre Haustüren unverschlossen lassen konnten, als die Nachbarn einfach vorbei kamen um sich das Eine oder Andere zu leihen, auch wenn niemand daheim war. Das war, als die Gewalt noch keinen Einzug in Ihre Stadt gehalten hat.
Jack Ketchum führt einem deutlich vor Augen, dass sich alles im Leben ändern kann und auch ändern wird, denn es gibt keinen Stillstand. Seine Art wachzurütteln, zu kritisieren und aufmerksam zu machen ist einmalig. Er geht mit dem Thema Gewalt, Alkohol und Drogen sehr offensiv um man merkt sofort, was sich damals abgespielt hat, was für die Jugendlichen wichtig war, und man wandert wie von selbst zurück in das Jahr 1969. Mit der Figur Ray hat er eine grandiose Figur erschaffen, in die man eintaucht, in der man lebt und förmlich gefangen ist und das, obwohl sie absolut selbstverliebt und zerstörerisch ist und für die das Wort Ablehnung ein Fremdwort ist. Schon nach wenigen Seiten spürt man was auf einen zukommt und weiß, dass die Tat am Anfang nicht alles gewesen sein kann. Ketchum treibt einen immer mehr in Rays Fänge und man wartet förmlich darauf, dass sich der noch am Anfang langsam köchelnde Hass immer mehr aufbaut, um schlussendlich in einer Eskalation zu enden. Aber nicht nur Ray, sondern auch alle anderen Figuren sind Ketchum sehr gut gelungen, und man begleitet sie voller Spannung im Wechsel durch die Story. Jeder mit seinen eigenen Problemen, jeder mit seinem eigenen Päckchen, welches er zu tragen hat, aber der Dreh und Angelpunkt ist natürlich Ray, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Die Story bereitet einem einen trockenen Hals, der das Schlucken von dem fest sitzenden Kloß unmöglich macht. Es ist wie eine sich langsam nach oben ziehende Achterbahn, die einen dann im freien Fall auf der anderen Seite hinab stürzen lässt. Unten angekommen fühlt man sich wie nach einem Schlag mit dem Hammer, denn die Geschichte ist mit dem Zuklappen des Buches noch nicht zu Ende. Sie liegt schwer im Magen und das Verdauen zieht sich hin. *The Lost* ist eine perfekte Mischung aus Psychothriller und psychologischem Horror, ein Werk, dass man sich nicht entgehen lassen darf.
