Rezension: (Adam Nevill / Im tiefen Wald)

Kurzbeschreibung:
Eigentlich wollen Luke und seine Freunde bei einem Trekkingausflug durch die schwedische Wildnis nur den Problemen des Alltags entfliehen und an alte Zeiten anknüpfen. Doch als sie sich in den Wäldern verirren, entwickelt sich der harmlose Männerausflug zum Horrortrip: Ausgeweidete Tierkadaver und eine mysteriöse Ruine mitten im Wald jagen den vier Wanderern bereits erste Schauer über den Rücken, und schon bald bringt die nervliche Anspannung die dunkelsten Seiten in den Freunden hervor. Dabei hat der eigentliche Alptraum noch gar nicht begonnen.
Meine Rezension:
Der Klappentext lässt den Leser nur bruchstückhaft erahnen, auf was er sich bei "Im tiefen Wald“ einlässt, welche Schrecken und gewalttätigen Fantasien die Story für ihn bereithält.
Eine gut gelungene Mischung aus Dark-Fantasie und Horror wartet auf die Leser, die nicht gleich einen Klos im Hals bekommen, wenn das Lebenselixier aus den Seiten in den Schoß tropft. Nevills Roman ist nichts für schwache Gemüter, nichts für Menschen, die zu hohe Spannung nicht vertragen, und eine gehörige Portion an Gewalt nicht ertragen können. Für alle Leser, die die härtere Gangart lieben, denen sei gesagt, unbedingt lesen.
Eine Atmosphäre wie sie dunkler hätte nicht sein können, die durch die Wahl des Schauplatzes dem Leser eine Gänsehaut beschert, ihn durch die dauerhafte Anspannung mit verspannten Muskeln in seinem Lesesessel oder auf der Couch zurücklässt.
Denn was wäre besser gewesen als ein so dicht bewachsener Wald, in dem es permanent dunkel ist, um einem "göttlichen Wesen" aus längst vergessenen Tagen neues Leben einzuhauchen, eine Religion mit ihren alten Riten auferstehen zu lassen.
Figuren die nicht besser gezeichnet hätten sein können, die durch ihr Verhalten in der Story, gerade in Szenen in denen sie unter Druck geraten, ihr wahres Gesicht zeigen und somit ihre dunkle Seite offenbaren.
Figuren, die durch ihre guten Dialoge erst richtig zu Leben erweckt werden und die so viel Hintergrund besitzen, dass man das Gefühlt hat, sie schon ewig zu kennen und man deshalb noch mehr mit ihnen leidet. Adam Neviil schafft Charaktere, die glaubhaft auf Gewalt reagieren und um zu überlegen, agieren, und bringt die Schwächen und Stärken der Charaktere perfekt zum Vorschein.
Eine Story, die wirklich anders ist, die von ihrer dunklen Umgebung lebt, die gespeist wird wie ein Feuer durch Benzin und einer Handlung, die härter und spannender- und an einigen Passagen, brutaler hätte nicht sein können.
Aber natürlich gibt es nicht nur Positives zu berichten und Schwachstellen gehören halt eben dazu. So hat der Roman in der Mitte einen Durchhänger, und Nevill beschränkt sich meines Erachtens zu sehr auf das Beschreiben der Szenerie, als die Story und die Dialoge zwischen den Figuren voranzutreiben. Man hatte das Gefühl, nun fast jeden Busch und Baum in diesem Wald zu kennen und schneller mit ihnen per DU zu sein, als mit einem guten Kumpel. Zu detailverliebt war er streckenweise. Somit leidet natürlich auch das Tempo und die Spannung ein klein wenig, und wenn Nevill 100 Seiten weggelassen hätte, wäre es auch nicht schadhaft gewesen.
Ein weiterer Punkt, den man ihm vielleicht vorwerfen könnte, ist, das „Wegstecken und Aushalten“ von Gewalt, die gerade die Hauptfigur gegen Ende hin erleiden muss. Andererseits kann man auch dagegen halten und sagen, es ist ein Horrorroman, da müssen die Figuren einiges mehr vertragen können und ein Stück weit über das Menschliche hinausgehen.
Wie dem auch sei, die zwei „vielleicht“ angeführten Minuspunkte tun dem ganzen jedenfalls keinen Abbruch und der Roman ist absolut empfehlenswert, und ein Muss für jeden Horror- und Dark Fantasie-Fan. Alles was einen guten Horrorroman auszeichnet, kommt hier zum tragen und das Verlangen des Lesers nach Aktion, Blut und Gewalt, kann vollständigt befriedigt werden.
